Rheumatologie, was ist das?
Rheumatologie, was ist das?

Unter dem Begriff Rheumatismus werden heute etwa 400 Krankheitsbilder zusammengefasst, die nicht immer die gleichen Ursachen, Auswirkungen oder Symptome haben.

 

Spezialisten für den rheumatischen Formenkreis

Rheumatologen sind Fachärzte für die Diagnostik und Behandlung der gesamten Vielfalt dieser rheumatischen Erkrankungen, insbesondere aber der autoimmunen Rheumaformen. Da Rheuma häufig nur schwer punktgenau diagnostiziert werden kann, gibt es den Rheumatologen, der sich als Spezialist mit dem rheumatischen Formenkreis auseinandersetzt.

 

Diagnose anhand von Anamnese, Klinik und technischen Verfahren

Kommt ein Patient also beispielsweise mit entsprechenden Symptomen zu seinem Hausarzt, kann dieser ihn zum Facharzt für Rheumatologie überweisen, der die Diagnose stellt und eine Therapie festlegt. Im Rahmen der Diagnostik wird eine detaillierte Anamnese erhoben und eine klinische Untersuchung durchgeführt. Zusätzlich nimmt er Blut ab und lässt im Labor spezielle Immunparameter bestimmen. Außerdem kommen oft bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie zum Einsatz, um die Erstdiagnose einer rheumatischen Erkrankung zu stellen. Die Diagnose beruht in der Rheumatologie aber nicht auf einem einzelnen Test, sondern ist die Kombination von klinischer und apparativer Diagnostik.

 

Behandlung mit traditionellen und modernen Medikamenten

Rheumatische Erkrankungen werden in der Regel mit speziellen Medikamenten, den „Basistherapeutika“ therapiert. Neben sogenannten „konventionellen“ Substanzen sind heute auch eine Reihe hochmoderner Medikamente wie biotechnisch hergestellte „Biologika“ und zielgerichtete synthetische Moleküle verfügbar. Mit deren richtigen Einsatz kann der Rheumatologe häufig einen Stillstand der Erkrankung und eine deutliche Schmerzlinderung erreichen. Auch Organschäden und die manchmal mit rheumatischen Erkrankungen vergesellschaftete Verkürzung der Lebenserwartung können dadurch verhindert werden. Die Vielfalt der Diagnostik, der medikamentösen Behandlungsmethoden und die Komplexität der Überwachung der Patienten erfordern ein hochentwickeltes Spezialwissen. Rheumatologen unterziehen sich daher ständiger Fort- und Weiterbildung in dieser höchst dynamischen Disziplin!

 

Wie arbeitet der Rheumatologe?

Rheumatologen können sowohl selbstständig tätig sein, als auch fest angestellt arbeiten. Meist arbeiten angestellte Rheumaspezialisten in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Kureinrichtungen, oder in der Forschung. Einige Rheumatologen haben als Fachärzte eine eigene Praxis oder gemeinsam mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis.

 

 

„Die Rheumatologie ist derzeit eines der innovativsten Fächer in der Medizin. Die Arbeit als Rheumatologe ist unglaublich abwechslungsreich und spannend.“

Assoz.Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Dejaco PhD, MBA, Leiter der medizinisch-wissenschaftlichen Sektion der ÖGR

Interview

Dr. Dejaco

„Wir müssen mehr junge Mediziner für die Rheumatologie begeistern.“

Dr. Christian Dejaco, Leiter der medizinsch-wissenschaftlichen Sektion der ÖGR, erklärt im Interview, warum die Rheumatologie eines der spannendsten Fächer der Medizin ist und wie sowohl Patienten als auch Rheuma-Forschung in Österreich von mehr Nachwuchs profitieren würden.

 

Warum sind Sie Rheumatologe geworden, Herr Dr. Dejaco? Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Die komplexen Vorgänge des Immunsystems zu verstehen, begeistert mich schon seit Beginn meines Studiums. Über meine Doktorarbeit bin ich deshalb schnell zur Rheumatologie gekommen, weil es dabei im Kern um Autoimmunerkrankungen geht. An der ganzen Fachrichtung finde ich außerdem extrem spannend, dass sie so vielfältig ist. Standarddiagnosen oder Therapieansätze genau wie im Lehrbuch kommen kaum vor. Wenn ich unsere Arbeit Laien oder jungen Studenten näher bringen will, verwende ich gerne das Bild eines „Sherlock Holmes der Medizin“. Denn wie ein Detektiv puzzeln auch die Rheumatologen aus zig Indizien ein stimmiges Bild, um dann Patienten mit der richtigen Therapie wirklich helfen zu können.

 

Einer Ihrer Kollegen meinte, dass in der Rheumatologie noch eine ganz andere Arzt Patienten-Beziehung möglich ist. Stimmt das?

Ja, richtig. Das ist ein weiterer Punkt, den ich an unserem Fach sehr schätze. Wir begleiten Patienten längere Zeit und können beobachten, wie sich Therapien auswirken. Vor allem bei jungen Erkrankten ist es schön zu sehen, wie sie ihre Schmerzen immer besser in den Griff bekommen und schließlich vielleicht sogar ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Es gibt viele Disziplinen in der Medizin, wo diese langfristige Patientenbeziehung nicht mehr möglich ist.

 

Hauptgrund für die bessere Therapierbarkeit von Rheuma sind die vielen neuen Forschungs-Erkenntnisse. Wie erklären Sie sich diesen Innovationsschub der letzten Jahre?

Rheumatologie ist derzeit gemeinsam mit der Onkologie das innovativste Fach im ganzen Kanon der medizinischen Fachrichtungen. Dass es vor allem bei den therapeutischen Ansätzen viele Durchbrüche gegeben hat, liegt vor allem daran, dass wir das Immunsystem heute besser verstehen. Auch in der Diagnostik hat sich die Technik enorm verbessert; besonders bei Ultraschall und Magnetresonanz-Apparaten ist vieles qualitativ besser und gleichzeitig erschwinglicher geworden. Das kann man ganz gut mit der Entwicklung etwa bei Smartphones vergleichen.

 

Und was haben diese Innovationen bewirkt?

Innerhalb der Rheumatologie hat das zu einem besseren Verständnis der Funktionsweisen des Immunsystems geführt, weil Strukturen und Vorgänge sichtbar wurden, die wir davor nicht beurteilen konnten. So konnte die Forschung Substanzen entwickeln, mit deren Hilfe wir das Immunsystem gezielt beeinflussen können. Die sogenannten Biologika sind biotechnisch hergestellte Medikamente, mit deren Hilfe Signale und Zellen des Immunsystems blockiert werden. Sie führen beispielsweise dazu, dass Entzündungskaskaden ausgeschaltet werden können.

 

Welchen Anteil hatte die österreichische Forschungs-Community an diesen Entwicklungen?

Wir haben in Österreich großartige Forscher in der Rheumatologie, und international ist Österreich in der Forschungslandschaft ebenfalls sehr präsent. Trotzdem ist Forschung in Österreich momentan oft noch zu sehr der Leistung von Einzelnen zu verdanken. Institutionelle Förderung gibt es dafür definitiv zu wenig. Dabei sollte vor allem in Zeitressourcen investiert werden. Denn wir müssen mehr junge Mediziner für die Forschung begeistern. Die Infrastruktur für ihre Arbeit wäre prinzipiell vorhanden.

 

Woran liegt es, dass nicht mehr Studenten sich für eine Forschungskarriere in der Rheumatologie entscheiden?

Ich denke, die gesellschaftliche Wahrnehmung des Krankheitsbildes Rheuma ist einer der Gründe. Das chronische Leiden vieler tausender Rheumakranker ist in der Öffentlichkeit kaum präsent. Viele denken außerdem bei Rheuma immer noch eher an degenerative und abnutzungsbedingte Erkrankungen des Bewegungsapparats, die vor allem im Alter auftreten. Das ist zwar auch ein Bereich der Rheumatologie, geht aber am eigentlichen Kern des Fachs vorbei, weil sich darum vor allem die Orthopäden oder die Fachärzte für physikalische Medizin kümmern.

 

Und wo sehen Sie die wichtigsten Aufgabenfelder?

Im Wesentlichen geht es in der Rheumatologie um die Erforschung und Behandlung von Störungen des Immunsystems. Und hier geht es auch um ganz verschiedene Patientengruppen. Von Autoimmunerkrankungen sind Kinder genauso betroffen wie Patienten zwischen 20 und 30 Jahren oder 50- bis 60-Jährige. Sehr alte Patienten haben wir dagegen wenige.

 

Was würden Sie sich für die Rheumatologie in den nächsten ein bis zwei Jahren wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mehr zeitliche und finanzielle Ressourcen für die Forschung in der Rheumatologie zur Verfügung gestellt werden, sodass mehr jungen Mediziner der Weg in die Wissenschaft ermöglicht werden kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Dejaco!

Rheumatologe werden
Rheumatologe werden

Wer Rheumatologe werden möchte, entscheidet sich nicht nur für eine Fachrichtung, in der die kommenden Jahre noch viele bahnbrechende Erkenntnisse und neue Therapieansätze versprechen. Rheumatologe zu sein bedeutet darüber hinaus mehr zu tun, als abstrakte Gefährdungsindikatoren zu behandeln. Fachärzte für Rheumatologie arbeiten sehr intensiv mit ihren Patienten und dürfen miterleben, welche Erleichterung es für sie bedeutet, wenn sie mit weniger Schmerzen wieder ihren Alltag bewältigen können.

Doch wie wird man überhaupt Facharzt für Rheumatologie?

 

In drei Schritten zum Facharzt

Jeder angehende Rheumatologe muss zuerst das Grundstudium der Medizin erfolgreich abschließen. Wer sich danach für die Rheumatologie interessiert, muss eine Facharztausbildung für „Innere Medizin und Rheumatologie“ absolvieren. Diese dauert im Regelfall 6 Jahre, aufgeteilt in die Basisausbildung (9 Monate), die Grundausbildung Innere Medizin (27 Monate) und die Schwerpunktausbildung Rheumatologie (36 Monate).

Alle, die vor dem 01.06.2015 in die Ärzteliste eingetragen wurden, können sich für die eben beschriebene Facharztausbildung „neu“ oder für das alte Modell mit 6 Jahren Sonderfach Innere Medizin, Orthopädie oder Physikalische Medizin plus 3 Jahren Additivfach Rheumatologie entscheiden.

 

In Österreich dürfen Krankenhäuser nur unter bestimmten Voraussetzungen Rheumatologen ausbilden. Es müssen mindestens zwei Rheumatologen am Krankenhaus angestellt und bestimmte diagnostische Voraussetzungen gegeben sein. Bis zu 12 Monate der Facharztausbildung können auch im niedergelassenen Bereich absolviert werden.

Eine offizielle Liste der Ausbildungsstätten in Österreich ist derzeit noch nicht verfügbar. Wir empfehlen Ihnen daher, sich direkt bei den Krankenhäusern oder den niedergelassenen Fachärzten, bei denen Sie die Ausbildung machen möchten, oder der Landesärztekammer zu informieren, ob eine Ausbildungsberechtigung vorliegt.

Nach dieser Ausbildung und abschließenden Prüfung sind die Absolventen „Facharzt bzw. Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie“.

 

Warum gerade Rheumatologie? Drei Gründe:

  • Die Rheumatologie ist aktuell eines der innovativsten Felder der Medizin
  • Der Arbeitsalltag von Rheumatologen ist sehr abwechslungsreich. Standarddiagnosen und Therapien gibt es oft nicht. Eine individualisierte Beratung der Patienten ist notwendig.
  • Die Zahl der von Rheuma Betroffenen steigt stetig. Österreich braucht mehr Rheumatologen.

 

Weiterbildung: Immer am letzten Stand

Für Rheumatologen gibt es viele Möglichkeiten sich weiterzubilden. Dazu gehören zum Beispiel jene zur Ultraschalldiagnostik, für die die ÖGR auch ein Diplom vergibt. (Siehe Punkt „Weiterbildung“ auf dieser Seite.)

 

Wer sich als Student im Grundstudium für die Rheumatologie interessiert, sollte unbedingt versuchen, sich rechtzeitig einen Platz bei der jährlich stattfindenden ÖGR Summer School zu sichern. Dort erklären erfahrene Rheumatologen und junge Forscher in angenehmer Atmosphäre, was die intensive Beschäftigung mit Rheuma für sie so spannend macht, welchen Themen sich die Forschung aktuell widmet, und wie ihr Berufsalltag aussieht.

 

 

„Rheumatologie ist für mich ein echter Geheimtipp. Die Zukunftsaussichten sind sehr gut und die Professoren haben noch ein offenes Ohr für alle ihre Studenten.“

Philipp Bosch, Absolvent der Summer School und Turnusarzt am Landeskrankenhaus Rottenmann

Der Niedergelassene Rheumatologe
Der Niedergelassene Rheumatologe

Etwa 20 bis 25 % der österreichischen Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer der vielen Formen von Rheuma, etwa 5% sind von einer autoimmunen Rheumaerkrankung betroffen – Tendenz steigend. Gründe dafür sind eine Gesellschaft, in der die Bürger immer älter werden, aber ebenso veränderte Umwelteinflüsse und Lebensweisen. Denn auch viele jüngere Menschen und Kinder müssen heute häufiger mit der Autoimmunerkrankung Rheuma leben.

 

Rheumatologen gesucht!

Die Berufschancen für Rheumatologen sind deshalb gut. Doch es bräuchte noch weit mehr Rheuma-Spezialisten, um die große Zahl der Patienten noch besser und schneller behandeln zu können. Das gilt nicht nur für die Rheumaambulanzen und Stationen in Rheumazentren und Kliniken, sondern auch für Facharztpraxen in ganz Österreich. Denn viele der über 200 Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie, die das Fach in Österreich auch praktizieren, können nur einen Teil ihrer Arbeitszeit der Versorgung von Rheumapatienten widmen.

 

Niedergelassener Rheumatologe werden

Die Arbeit als niedergelassener Rheumatologe in einer eigenen Praxis hat einen besonderen Reiz. Da Diagnose und Therapie hauptsächlich ambulant erfolgen, lassen sich der Arbeitsalltag und tägliche Abläufe gut planen. Die ÖGR bemüht sich in Verhandlungen mit der Ärztekammer und den Sozialversicherungsträgern die Verdienstmodelle als niedergelassener Rheumatologe zu verbessern. Ein echtes Problem ist derzeit noch, dass viele Krankenkassen fast keine Verrechnungspositionen für rheumatologische Untersuchungen anbieten. Daher lassen sich Rheumatologen derzeit oft als Wahlarzt nieder oder widmen einen Teil Ihrer Arbeitszeit der vergleichsweise besser honorierten allgemeinen Inneren Medizin, sollten sie einen Vertrag mit der Gebietskrankenkasse abschließen.

Wo geht´s hier Richtung Forschung?
Wo geht´s hier Richtung Forschung?

Wer nicht nur als Rheumatologe tätig sein, sondern auch forschen möchte, sollte früh beginnen, sich das richtige Arbeitsumfeld zu suchen. Hier einige Tipps.

 

Warum gerade Forschung? Warum gerade Rheumatologie?

In der Rheumatologie sind vor allem jene gut aufgehoben, die die Ursachen für Beschwerden und bestimmte Krankheitsverläufe bis ins letzte Detail verstehen möchten. Bereits bei alltäglichen Diagnosen ist Scharfsinn, Teamwork und Kombinationsvermögen gefragt, um die richtige Therapie verordnen zu können. Es ist deshalb für Rheumatologen oft nur ein kleiner Schritt in Richtung echte Forschung. Dafür müssen sich junge Forscher zwar noch weit intensiver mit den ungelösten Fragen der Rheumatologie auseinandersetzen. Aber es gibt noch viel zu entdecken, über das es sich zu publizieren lohnt. Denn obwohl die Rheumatologie heute gemeinsam mit der Onkologie eines der innovativsten Fächer der Medizin ist, sind beispielsweise die tiefer liegenden Ursachen für die Erkrankung noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der Stoff für Promotionen, Beiträge in Fachzeitschriften oder sogar Habilitationen wird Rheumatologen in den Hauptbereichen Grundlagenforschung und klinische Wissenschaft (z.B. Forschung im Bereich bildgebender Verfahren und Medikamente/Biologika) also so schnell nicht ausgehen.

 

Sich gut informieren und Mentoren finden

Wie in allen Forschungsdisziplinen gilt auch in der Rheumatologie: Möglichst früh Kontakt zu Forschungsgruppen, Forschern und forschenden Professoren aufzunehmen, ist extrem wichtig. Meist ist eine Diplomarbeit mit einem Thema aus der Rheumatologie ein guter erster Schritt. So finden angehende Forscher am schnellsten Mentoren, die ihre Entwicklung fördern und sie auf spannende Forschungsfelder aufmerksam machen können. Eine wichtige Informationsquelle zum aktuellen Stand der Forschung sind einerseits die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und andererseits Publikationen wie die „Zeitschrift für Rheumatologie“, die über die ÖGR auch zu einem vergünstigten Tarif abonniert werden kann. Auch bei der ÖGR Summer School können Studenten ihre ersten Kontakte zur wissenschaftlichen Community knüpfen.

 

Universitätskliniken und Arbeitsverträge

In Österreich wird akademische Rheumatologie derzeit in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg betrieben. Es sind vor allem die Universitätskliniken, an denen junge Rheumatologen ihre Forschungskarriere starten können. Dort gibt es etablierte Forschungsgruppen unter international renommierten Forschern. Wer an ihrer Seite forschen will, sollte sich für einen Arbeitsvertrag bewerben, der möglichst viel Zeit für wissenschaftliche Betätigung lässt. Man sollte aber bedenken, dass der Arbeitsalltag in einer Klinik, die in den meisten Fällen zusätzlich eine Ambulanz für Rheumapatienten betreibt, von angehenden Forschern auch ein hohes Maß an Eigenmotivation erfordert.

 

Arbeitsalltag und Perspektiven

Der Weg in die Wissenschaft ist in der Rheumatologie verglichen mit einigen anderen Disziplinen trotzdem vergleichsweise einfach. Denn die Rheuma-Forschung hat eine stark klinisch-praktische Komponente. Da die Behandelnden viel mit den Patienten und modernsten bildgebenden Verfahren arbeiten, muss nicht ausschließlich im Labor wissenschaftlich gearbeitet werden. So lässt sich die Forschung auch gut in den klinischen Alltag integrieren – beispielsweise zu Fragestellungen betreffend die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit von Patienten oder den Einsatz von bildgebenden Verfahren. Wer einmal in der Rheumatologie wissenschaftlich gearbeitet hat, wird danach jedenfalls leichter einen Arbeitsplatz an einer Universitätsklinik mit einer klinischen Abteilung für Rheumatologie finden.

 

 

„Die Behandlung von Rheumakranken ist definitiv etwas für Menschen, die gerne tüfteln. Der Rheumatologe ist so etwas wie der Dr. House der Inneren Medizin.“

Ass. Prof. Dr. Martin Stradner, Klinische Abteilung für Rheumatologie und Immunologie an der MedUni Graz

Kind und Karriere
Kind und Karriere

Karriere und Familie

Die Medizin wird weiblich – auch unter uns Rheumatologen steigt der Frauenanteil von Jahr zu Jahr. Es ist gerade für junge Frauen ein wichtiges Thema, ob sich ihre berufliche Laufbahn mit Kinderwunsch und Familie vereinbaren lässt. Die Rheumatologie ist ein Fach, das sich großteils in einem ambulanten Setting erlernen und durchführen lässt. Ein Teil der Tätigkeit in der Klinik incl. Nachtdiensten ist für die Facharzt-Ausbildung aber dennoch notwendig. Im Zuge der neuen Ausbildungsordnung wurde auch die Möglichkeit geschaffen, 12 Monate Facharztausbildung Rheumatologie in einer Lehrpraxis zu absolvieren. Karenz- und Teilzeitmodelle sind vom Gesetzgeber für diese Lebensphase konzipiert worden und werden zunehmend auch für junge Väter ein Thema. Es ist klug, diesbezügliche Wünsche und Veränderungen zeitgerecht mit dem Abteilungsvorstand und dem Arbeitgeber abzustimmen.

 

„Die Arbeit in einer rheumatologischen Abteilung ist gut planbar. Gerade für Väter und Mütter ist das im Vergleich zu anderen medizinischen Disziplinen ein klarer Vorteil.“

OÄ Priv.-Doz. Dr. Christina Duftner, Universitätsklinik für Innere Medizin II Innsbruck

Jobbörse
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Aktuelle Stellenangebote
Rheumatologie, was ist das?

Unter dem Begriff Rheumatismus werden heute etwa 400 Krankheitsbilder zusammengefasst, die nicht immer die gleichen Ursachen, Auswirkungen oder Symptome haben.

 

Spezialisten für den rheumatischen Formenkreis

Rheumatologen sind Fachärzte für die Diagnostik und Behandlung der gesamten Vielfalt dieser rheumatischen Erkrankungen, insbesondere aber der autoimmunen Rheumaformen. Da Rheuma häufig nur schwer punktgenau diagnostiziert werden kann, gibt es den Rheumatologen, der sich als Spezialist mit dem rheumatischen Formenkreis auseinandersetzt.

 

Diagnose anhand von Anamnese, Klinik und technischen Verfahren

Kommt ein Patient also beispielsweise mit entsprechenden Symptomen zu seinem Hausarzt, kann dieser ihn zum Facharzt für Rheumatologie überweisen, der die Diagnose stellt und eine Therapie festlegt. Im Rahmen der Diagnostik wird eine detaillierte Anamnese erhoben und eine klinische Untersuchung durchgeführt. Zusätzlich nimmt er Blut ab und lässt im Labor spezielle Immunparameter bestimmen. Außerdem kommen oft bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie zum Einsatz, um die Erstdiagnose einer rheumatischen Erkrankung zu stellen. Die Diagnose beruht in der Rheumatologie aber nicht auf einem einzelnen Test, sondern ist die Kombination von klinischer und apparativer Diagnostik.

 

Behandlung mit traditionellen und modernen Medikamenten

Rheumatische Erkrankungen werden in der Regel mit speziellen Medikamenten, den „Basistherapeutika“ therapiert. Neben sogenannten „konventionellen“ Substanzen sind heute auch eine Reihe hochmoderner Medikamente wie biotechnisch hergestellte „Biologika“ und zielgerichtete synthetische Moleküle verfügbar. Mit deren richtigen Einsatz kann der Rheumatologe häufig einen Stillstand der Erkrankung und eine deutliche Schmerzlinderung erreichen. Auch Organschäden und die manchmal mit rheumatischen Erkrankungen vergesellschaftete Verkürzung der Lebenserwartung können dadurch verhindert werden. Die Vielfalt der Diagnostik, der medikamentösen Behandlungsmethoden und die Komplexität der Überwachung der Patienten erfordern ein hochentwickeltes Spezialwissen. Rheumatologen unterziehen sich daher ständiger Fort- und Weiterbildung in dieser höchst dynamischen Disziplin!

 

Wie arbeitet der Rheumatologe?

Rheumatologen können sowohl selbstständig tätig sein, als auch fest angestellt arbeiten. Meist arbeiten angestellte Rheumaspezialisten in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, Kureinrichtungen, oder in der Forschung. Einige Rheumatologen haben als Fachärzte eine eigene Praxis oder gemeinsam mit Kollegen eine Gemeinschaftspraxis.

 

 

„Die Rheumatologie ist derzeit eines der innovativsten Fächer in der Medizin. Die Arbeit als Rheumatologe ist unglaublich abwechslungsreich und spannend.“

Assoz.Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Dejaco PhD, MBA, Leiter der medizinisch-wissenschaftlichen Sektion der ÖGR

„Wir müssen mehr junge Mediziner für die Rheumatologie begeistern.“

Dr. Christian Dejaco, Leiter der medizinsch-wissenschaftlichen Sektion der ÖGR, erklärt im Interview, warum die Rheumatologie eines der spannendsten Fächer der Medizin ist und wie sowohl Patienten als auch Rheuma-Forschung in Österreich von mehr Nachwuchs profitieren würden.

 

Warum sind Sie Rheumatologe geworden, Herr Dr. Dejaco? Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Die komplexen Vorgänge des Immunsystems zu verstehen, begeistert mich schon seit Beginn meines Studiums. Über meine Doktorarbeit bin ich deshalb schnell zur Rheumatologie gekommen, weil es dabei im Kern um Autoimmunerkrankungen geht. An der ganzen Fachrichtung finde ich außerdem extrem spannend, dass sie so vielfältig ist. Standarddiagnosen oder Therapieansätze genau wie im Lehrbuch kommen kaum vor. Wenn ich unsere Arbeit Laien oder jungen Studenten näher bringen will, verwende ich gerne das Bild eines „Sherlock Holmes der Medizin“. Denn wie ein Detektiv puzzeln auch die Rheumatologen aus zig Indizien ein stimmiges Bild, um dann Patienten mit der richtigen Therapie wirklich helfen zu können.

 

Einer Ihrer Kollegen meinte, dass in der Rheumatologie noch eine ganz andere Arzt Patienten-Beziehung möglich ist. Stimmt das?

Ja, richtig. Das ist ein weiterer Punkt, den ich an unserem Fach sehr schätze. Wir begleiten Patienten längere Zeit und können beobachten, wie sich Therapien auswirken. Vor allem bei jungen Erkrankten ist es schön zu sehen, wie sie ihre Schmerzen immer besser in den Griff bekommen und schließlich vielleicht sogar ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Es gibt viele Disziplinen in der Medizin, wo diese langfristige Patientenbeziehung nicht mehr möglich ist.

 

Hauptgrund für die bessere Therapierbarkeit von Rheuma sind die vielen neuen Forschungs-Erkenntnisse. Wie erklären Sie sich diesen Innovationsschub der letzten Jahre?

Rheumatologie ist derzeit gemeinsam mit der Onkologie das innovativste Fach im ganzen Kanon der medizinischen Fachrichtungen. Dass es vor allem bei den therapeutischen Ansätzen viele Durchbrüche gegeben hat, liegt vor allem daran, dass wir das Immunsystem heute besser verstehen. Auch in der Diagnostik hat sich die Technik enorm verbessert; besonders bei Ultraschall und Magnetresonanz-Apparaten ist vieles qualitativ besser und gleichzeitig erschwinglicher geworden. Das kann man ganz gut mit der Entwicklung etwa bei Smartphones vergleichen.

 

Und was haben diese Innovationen bewirkt?

Innerhalb der Rheumatologie hat das zu einem besseren Verständnis der Funktionsweisen des Immunsystems geführt, weil Strukturen und Vorgänge sichtbar wurden, die wir davor nicht beurteilen konnten. So konnte die Forschung Substanzen entwickeln, mit deren Hilfe wir das Immunsystem gezielt beeinflussen können. Die sogenannten Biologika sind biotechnisch hergestellte Medikamente, mit deren Hilfe Signale und Zellen des Immunsystems blockiert werden. Sie führen beispielsweise dazu, dass Entzündungskaskaden ausgeschaltet werden können.

 

Welchen Anteil hatte die österreichische Forschungs-Community an diesen Entwicklungen?

Wir haben in Österreich großartige Forscher in der Rheumatologie, und international ist Österreich in der Forschungslandschaft ebenfalls sehr präsent. Trotzdem ist Forschung in Österreich momentan oft noch zu sehr der Leistung von Einzelnen zu verdanken. Institutionelle Förderung gibt es dafür definitiv zu wenig. Dabei sollte vor allem in Zeitressourcen investiert werden. Denn wir müssen mehr junge Mediziner für die Forschung begeistern. Die Infrastruktur für ihre Arbeit wäre prinzipiell vorhanden.

 

Woran liegt es, dass nicht mehr Studenten sich für eine Forschungskarriere in der Rheumatologie entscheiden?

Ich denke, die gesellschaftliche Wahrnehmung des Krankheitsbildes Rheuma ist einer der Gründe. Das chronische Leiden vieler tausender Rheumakranker ist in der Öffentlichkeit kaum präsent. Viele denken außerdem bei Rheuma immer noch eher an degenerative und abnutzungsbedingte Erkrankungen des Bewegungsapparats, die vor allem im Alter auftreten. Das ist zwar auch ein Bereich der Rheumatologie, geht aber am eigentlichen Kern des Fachs vorbei, weil sich darum vor allem die Orthopäden oder die Fachärzte für physikalische Medizin kümmern.

 

Und wo sehen Sie die wichtigsten Aufgabenfelder?

Im Wesentlichen geht es in der Rheumatologie um die Erforschung und Behandlung von Störungen des Immunsystems. Und hier geht es auch um ganz verschiedene Patientengruppen. Von Autoimmunerkrankungen sind Kinder genauso betroffen wie Patienten zwischen 20 und 30 Jahren oder 50- bis 60-Jährige. Sehr alte Patienten haben wir dagegen wenige.

 

Was würden Sie sich für die Rheumatologie in den nächsten ein bis zwei Jahren wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mehr zeitliche und finanzielle Ressourcen für die Forschung in der Rheumatologie zur Verfügung gestellt werden, sodass mehr jungen Mediziner der Weg in die Wissenschaft ermöglicht werden kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Dejaco!

Rheumatologe werden

Wer Rheumatologe werden möchte, entscheidet sich nicht nur für eine Fachrichtung, in der die kommenden Jahre noch viele bahnbrechende Erkenntnisse und neue Therapieansätze versprechen. Rheumatologe zu sein bedeutet darüber hinaus mehr zu tun, als abstrakte Gefährdungsindikatoren zu behandeln. Fachärzte für Rheumatologie arbeiten sehr intensiv mit ihren Patienten und dürfen miterleben, welche Erleichterung es für sie bedeutet, wenn sie mit weniger Schmerzen wieder ihren Alltag bewältigen können.

Doch wie wird man überhaupt Facharzt für Rheumatologie?

 

In drei Schritten zum Facharzt

Jeder angehende Rheumatologe muss zuerst das Grundstudium der Medizin erfolgreich abschließen. Wer sich danach für die Rheumatologie interessiert, muss eine Facharztausbildung für „Innere Medizin und Rheumatologie“ absolvieren. Diese dauert im Regelfall 6 Jahre, aufgeteilt in die Basisausbildung (9 Monate), die Grundausbildung Innere Medizin (27 Monate) und die Schwerpunktausbildung Rheumatologie (36 Monate).

Alle, die vor dem 01.06.2015 in die Ärzteliste eingetragen wurden, können sich für die eben beschriebene Facharztausbildung „neu“ oder für das alte Modell mit 6 Jahren Sonderfach Innere Medizin, Orthopädie oder Physikalische Medizin plus 3 Jahren Additivfach Rheumatologie entscheiden.

 

In Österreich dürfen Krankenhäuser nur unter bestimmten Voraussetzungen Rheumatologen ausbilden. Es müssen mindestens zwei Rheumatologen am Krankenhaus angestellt und bestimmte diagnostische Voraussetzungen gegeben sein. Bis zu 12 Monate der Facharztausbildung können auch im niedergelassenen Bereich absolviert werden.

Eine offizielle Liste der Ausbildungsstätten in Österreich ist derzeit noch nicht verfügbar. Wir empfehlen Ihnen daher, sich direkt bei den Krankenhäusern oder den niedergelassenen Fachärzten, bei denen Sie die Ausbildung machen möchten, oder der Landesärztekammer zu informieren, ob eine Ausbildungsberechtigung vorliegt.

Nach dieser Ausbildung und abschließenden Prüfung sind die Absolventen „Facharzt bzw. Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie“.

 

Warum gerade Rheumatologie? Drei Gründe:

  • Die Rheumatologie ist aktuell eines der innovativsten Felder der Medizin
  • Der Arbeitsalltag von Rheumatologen ist sehr abwechslungsreich. Standarddiagnosen und Therapien gibt es oft nicht. Eine individualisierte Beratung der Patienten ist notwendig.
  • Die Zahl der von Rheuma Betroffenen steigt stetig. Österreich braucht mehr Rheumatologen.

 

Weiterbildung: Immer am letzten Stand

Für Rheumatologen gibt es viele Möglichkeiten sich weiterzubilden. Dazu gehören zum Beispiel jene zur Ultraschalldiagnostik, für die die ÖGR auch ein Diplom vergibt. (Siehe Punkt „Weiterbildung“ auf dieser Seite.)

 

Wer sich als Student im Grundstudium für die Rheumatologie interessiert, sollte unbedingt versuchen, sich rechtzeitig einen Platz bei der jährlich stattfindenden ÖGR Summer School zu sichern. Dort erklären erfahrene Rheumatologen und junge Forscher in angenehmer Atmosphäre, was die intensive Beschäftigung mit Rheuma für sie so spannend macht, welchen Themen sich die Forschung aktuell widmet, und wie ihr Berufsalltag aussieht.

 

 

„Rheumatologie ist für mich ein echter Geheimtipp. Die Zukunftsaussichten sind sehr gut und die Professoren haben noch ein offenes Ohr für alle ihre Studenten.“

Philipp Bosch, Absolvent der Summer School und Turnusarzt am Landeskrankenhaus Rottenmann

Der Niedergelassene Rheumatologe

Etwa 20 bis 25 % der österreichischen Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer der vielen Formen von Rheuma, etwa 5% sind von einer autoimmunen Rheumaerkrankung betroffen – Tendenz steigend. Gründe dafür sind eine Gesellschaft, in der die Bürger immer älter werden, aber ebenso veränderte Umwelteinflüsse und Lebensweisen. Denn auch viele jüngere Menschen und Kinder müssen heute häufiger mit der Autoimmunerkrankung Rheuma leben.

 

Rheumatologen gesucht!

Die Berufschancen für Rheumatologen sind deshalb gut. Doch es bräuchte noch weit mehr Rheuma-Spezialisten, um die große Zahl der Patienten noch besser und schneller behandeln zu können. Das gilt nicht nur für die Rheumaambulanzen und Stationen in Rheumazentren und Kliniken, sondern auch für Facharztpraxen in ganz Österreich. Denn viele der über 200 Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie, die das Fach in Österreich auch praktizieren, können nur einen Teil ihrer Arbeitszeit der Versorgung von Rheumapatienten widmen.

 

Niedergelassener Rheumatologe werden

Die Arbeit als niedergelassener Rheumatologe in einer eigenen Praxis hat einen besonderen Reiz. Da Diagnose und Therapie hauptsächlich ambulant erfolgen, lassen sich der Arbeitsalltag und tägliche Abläufe gut planen. Die ÖGR bemüht sich in Verhandlungen mit der Ärztekammer und den Sozialversicherungsträgern die Verdienstmodelle als niedergelassener Rheumatologe zu verbessern. Ein echtes Problem ist derzeit noch, dass viele Krankenkassen fast keine Verrechnungspositionen für rheumatologische Untersuchungen anbieten. Daher lassen sich Rheumatologen derzeit oft als Wahlarzt nieder oder widmen einen Teil Ihrer Arbeitszeit der vergleichsweise besser honorierten allgemeinen Inneren Medizin, sollten sie einen Vertrag mit der Gebietskrankenkasse abschließen.

Wo geht´s hier Richtung Forschung?

Wer nicht nur als Rheumatologe tätig sein, sondern auch forschen möchte, sollte früh beginnen, sich das richtige Arbeitsumfeld zu suchen. Hier einige Tipps.

 

Warum gerade Forschung? Warum gerade Rheumatologie?

In der Rheumatologie sind vor allem jene gut aufgehoben, die die Ursachen für Beschwerden und bestimmte Krankheitsverläufe bis ins letzte Detail verstehen möchten. Bereits bei alltäglichen Diagnosen ist Scharfsinn, Teamwork und Kombinationsvermögen gefragt, um die richtige Therapie verordnen zu können. Es ist deshalb für Rheumatologen oft nur ein kleiner Schritt in Richtung echte Forschung. Dafür müssen sich junge Forscher zwar noch weit intensiver mit den ungelösten Fragen der Rheumatologie auseinandersetzen. Aber es gibt noch viel zu entdecken, über das es sich zu publizieren lohnt. Denn obwohl die Rheumatologie heute gemeinsam mit der Onkologie eines der innovativsten Fächer der Medizin ist, sind beispielsweise die tiefer liegenden Ursachen für die Erkrankung noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der Stoff für Promotionen, Beiträge in Fachzeitschriften oder sogar Habilitationen wird Rheumatologen in den Hauptbereichen Grundlagenforschung und klinische Wissenschaft (z.B. Forschung im Bereich bildgebender Verfahren und Medikamente/Biologika) also so schnell nicht ausgehen.

 

Sich gut informieren und Mentoren finden

Wie in allen Forschungsdisziplinen gilt auch in der Rheumatologie: Möglichst früh Kontakt zu Forschungsgruppen, Forschern und forschenden Professoren aufzunehmen, ist extrem wichtig. Meist ist eine Diplomarbeit mit einem Thema aus der Rheumatologie ein guter erster Schritt. So finden angehende Forscher am schnellsten Mentoren, die ihre Entwicklung fördern und sie auf spannende Forschungsfelder aufmerksam machen können. Eine wichtige Informationsquelle zum aktuellen Stand der Forschung sind einerseits die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und andererseits Publikationen wie die „Zeitschrift für Rheumatologie“, die über die ÖGR auch zu einem vergünstigten Tarif abonniert werden kann. Auch bei der ÖGR Summer School können Studenten ihre ersten Kontakte zur wissenschaftlichen Community knüpfen.

 

Universitätskliniken und Arbeitsverträge

In Österreich wird akademische Rheumatologie derzeit in Wien, Graz, Innsbruck, Linz und Salzburg betrieben. Es sind vor allem die Universitätskliniken, an denen junge Rheumatologen ihre Forschungskarriere starten können. Dort gibt es etablierte Forschungsgruppen unter international renommierten Forschern. Wer an ihrer Seite forschen will, sollte sich für einen Arbeitsvertrag bewerben, der möglichst viel Zeit für wissenschaftliche Betätigung lässt. Man sollte aber bedenken, dass der Arbeitsalltag in einer Klinik, die in den meisten Fällen zusätzlich eine Ambulanz für Rheumapatienten betreibt, von angehenden Forschern auch ein hohes Maß an Eigenmotivation erfordert.

 

Arbeitsalltag und Perspektiven

Der Weg in die Wissenschaft ist in der Rheumatologie verglichen mit einigen anderen Disziplinen trotzdem vergleichsweise einfach. Denn die Rheuma-Forschung hat eine stark klinisch-praktische Komponente. Da die Behandelnden viel mit den Patienten und modernsten bildgebenden Verfahren arbeiten, muss nicht ausschließlich im Labor wissenschaftlich gearbeitet werden. So lässt sich die Forschung auch gut in den klinischen Alltag integrieren – beispielsweise zu Fragestellungen betreffend die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit von Patienten oder den Einsatz von bildgebenden Verfahren. Wer einmal in der Rheumatologie wissenschaftlich gearbeitet hat, wird danach jedenfalls leichter einen Arbeitsplatz an einer Universitätsklinik mit einer klinischen Abteilung für Rheumatologie finden.

 

 

„Die Behandlung von Rheumakranken ist definitiv etwas für Menschen, die gerne tüfteln. Der Rheumatologe ist so etwas wie der Dr. House der Inneren Medizin.“

Ass. Prof. Dr. Martin Stradner, Klinische Abteilung für Rheumatologie und Immunologie an der MedUni Graz

Kind und Karriere

Karriere und Familie

Die Medizin wird weiblich – auch unter uns Rheumatologen steigt der Frauenanteil von Jahr zu Jahr. Es ist gerade für junge Frauen ein wichtiges Thema, ob sich ihre berufliche Laufbahn mit Kinderwunsch und Familie vereinbaren lässt. Die Rheumatologie ist ein Fach, das sich großteils in einem ambulanten Setting erlernen und durchführen lässt. Ein Teil der Tätigkeit in der Klinik incl. Nachtdiensten ist für die Facharzt-Ausbildung aber dennoch notwendig. Im Zuge der neuen Ausbildungsordnung wurde auch die Möglichkeit geschaffen, 12 Monate Facharztausbildung Rheumatologie in einer Lehrpraxis zu absolvieren. Karenz- und Teilzeitmodelle sind vom Gesetzgeber für diese Lebensphase konzipiert worden und werden zunehmend auch für junge Väter ein Thema. Es ist klug, diesbezügliche Wünsche und Veränderungen zeitgerecht mit dem Abteilungsvorstand und dem Arbeitgeber abzustimmen.

 

„Die Arbeit in einer rheumatologischen Abteilung ist gut planbar. Gerade für Väter und Mütter ist das im Vergleich zu anderen medizinischen Disziplinen ein klarer Vorteil.“

OÄ Priv.-Doz. Dr. Christina Duftner, Universitätsklinik für Innere Medizin II Innsbruck

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