Interview Michaela Stoffer-Marx PhD, MSc, LLM

Frau Michaela Stoffer-Marx PhD, MSc, LLM können Sie uns kurz über Ihren Werdegang berichten? Was begeistert Sie an der Rheumatologie?
Meine Grundausbildung zur Ergotherapeutin habe ich in Baden bei Wien absolviert und bereits hier wurde mein Interesse an der Rheumatologie geweckt. Mich begeistert an der Rheumatologie die Tatsache, dass es ein Bereich ist, der immer spannend bleibt und ich die Arbeit mit an rheumatologischen Erkrankungen betroffenen Personen schon immer mochte und sehr schätze.

 

Nach dem Abschluss zum Master of Science an der Fachhochschule Campus Wien und durch meine Tätigkeit an der Medizinischen Universität Wien bei Herrn Prof. Dr. Smolen und Frau Prof. Dr. Stamm PhD hatte ich die große Chance erhalten, ein Doktorat zu absolvieren. Leider ist es für uns Health Professionals nach wie vor relativ schwierig, die Möglichkeit zu bekommen, eine Dissertation zu verfassen obwohl es ja an relevanten Fragestellungen nicht mangelt.

 

Sie haben zusammen mit Frau Univ. Prof. Dr. Tanja Stamm PhD im Jahr 2011 die Österr. Gesellschaft für rheumatologische Gesundheitsberufe (ÖGRG) gegründet. Ein großer Meilenstein für alle Health Professionals im Bereich der Rheumatologie. Was motivierte Sie von der Idee bis zur Gründung der ÖGRG?

Die Motivation zur Gründung lag in jedem Fall in der internationalen Tätigkeit. In vielen anderen europäischen Ländern haben die Gesellschaften für rheumatologische Gesundheitsberufe bereits eine lange Tradition. Österreich hat dank seinen außergewöhnlichen und herausragenden Spezialisten im Bereich der Rheumatologie mit Sicherheit eine besonders renommierte Position. Jedoch fehlte es bis dahin an einem organisierten Zusammenschluss der Health Professionals.
Die Realisierung der österreichischen Vereinigung gelang 2011 durch die engagierte und ausdauernde Tätigkeit der Gründungsmitglieder, dem gemeinsamen Engagement und der nahen und guten Zusammenarbeit mit der ÖGR.

 

Im Jahr 2013 wurde die ÖGRG als Mitglied der europäischen Organisation EULAR aufgenommen. Welche wichtigen Ziele werden hier verfolgt?

Die Organisation EULAR wird durch die drei Säulen Rheumatolginnen und Rheumatologen / Wissenschaft, Health Professionals, Patientinnen und Patienten gebildet. Die Ziele sind ebenso vielfältig: es geht hier um die internationale Zusammenarbeit in und zwischen den Gruppen. Dabei stehen unter anderem die multidisziplinäre Versorgung, die Europäische Vernetzung, Ausbildungsvorhaben und Forschung sowie der Austausch auf internationaler Ebene im Vordergrund.
Die internationale Zusammenarbeit der EULAR Health Professionals habe ich persönlich immer als sehr inspirierend empfunden.

 

Der Start der in Österreich einzigartigen Ausbildung für rheumatologische Gesundheitsberufe wurde ebenfalls durch die ÖGRG ins Leben gerufen. Was erwartet die Teilnehmer?

Die Rheumatologie ist ein umfangreiches Gebiet, welches kaum in den Grundausbildungen abschließend abgedeckt werden kann. Insbesondere da in diesem Bereich laufend neue Erkenntnisse generiert werden, ist es wichtig, weiterführende Vertiefungsmöglichkeiten anzubieten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten Vorträge von führenden Expertinnen und Experten im Bereich der Rheumatologie. Damit einhergehend besteht die Möglichkeit, aktuelles, praxisnahes und profundes Wissen mitzunehmen, um unseren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen – weil dass ist unser aller wichtigstes Ziel.

 

Sie haben selber an einem Projekt bei EUMUSC.net mitgewirkt.
Können Sie uns kurz davon berichten?

Das EUMUSC.net Projekt ist eine Arbeit, die mir persönlich sehr am Herzen liegt. In diesem Projekt haben wir aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und Leitlinien in einem multidisziplinären und internationalen Team Behandlungsstandards entwickelt. Diese Standards wurden in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Das Ziel der Arbeit ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in leicht verständlicher Sprache zu übersetzten und damit einer breiten Leserschaft, insbesondere unseren Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen.

 

Ein Blick in die Zukunft - was wünschen Sie sich für alle Health Professionals im Bereich Rheumatologie?

Ich glaube wir können wirklich sagen, dass sich die rheumatologisch tätigen Health Professionals in Österreich gut positionieren konnten. Wir verdanken dies jedoch einzelnen Personen, allen voran Frau Prof. Dr. Stamm PhD, die sich immer und mit unermüdlichem Engagement und Einsatz für alle in der Rheumatologie beschäftigten Angehörige von Gesundheitsberufe eingesetzt hat und damit unzählige Meilensteine gesetzt hat.
Natürlich würde ich mir wünschen, dass sich die Möglichkeiten für Health Professionals in weiterführenden Karrieremodellen inklusive der Möglichkeiten für wissenschaftliche Karrierewege verbessern. Hier möchte ich betonen, dass die Möglichkeiten in diesem Bereich, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in Österreich noch ausbaufähig sind.