Neues aus der Rheumatologie

Innovative Medikamente und Fachärztemangel auf dem Land
Die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) fand von 23. bis 25. November 2017 in Wien statt und bot den Teilnehmern ein vielseitiges Fortbildungsprogramm. Darüber hinaus standen u.a. auch standespolitische Themen und andere Highlights auf dem Programm.

 

Breite Therapiepalette
Zu den klinischen Themenhighlights zählten insbesondere Vorträge über die jüngsten therapeutischen Innovationen in der Rheumatologie. Im Jahr 2017 wurde das therapeutische Armamentarium in Europa um zwei neue Substanzen (Baricitinib, Tofacitinib) aus der Gruppe der JAK (Januskinase)-Inhibitoren – bereichert. "Diese chemisch hergestellten kleinen Moleküle können gezielt in Entzündungsprozesse eingreifen und die Produktion proinflammatorischer Zytokine nachhaltig blockieren. Während Biologika meist in regelmäßigen Intervallen gespritzt werden müssen, können JAK-Inhibitoren als Tabletten ein- bis zweimal pro Tag eingenommen werden", berichtet Univ.-Prof. Dr. Klaus Machold, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien.

 

Erhöhter ärztlicher Aufwand
Dank der breiten Palette potenter Präparate ist das Behandlungsziel Beschwerdefreiheit bei der Mehrheit der Patienten tatsächlich erreichbar. Die Therapie ist zu 95 Prozent im ambulanten Bereich möglich und für die Betroffenen relativ wenig belastend. "Allerdings ist sie für den Arzt und das Personal mit sehr hohem Aufwand verbunden", betont Dr. Rudolf Puchner, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie und Gastroenterologie in Wels, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR). Neue Medikamente und Behandlungsempfehlungen sowie die Implementierung des "Treat-to-target"-Prinzips in der klinischen Praxis bedingen genaue Voruntersuchungen, sorgfältige Therapiewahl und detaillierte Aufklärung der Patienten. Die Überwachung komplexer Behandlungsstrategien erfordert eine höhere Anzahl von fachärztlichen Kontrollen bzw. eine engmaschigere Überwachung als in früheren Jahren.

 

Versorgung an Rheumatologen nicht flächendeckend
"Insgesamt gibt es österreichweit 215 internistische Rheumatologen", berichtet Dr. Puchner auf der ÖGR-Jahrestagung in der "Stunde des Präsidenten". Generell ist die Versorgung der heimischen Bevölkerung von deutlichen regionalen Unterschieden geprägt. Während in größeren Städten wie z.B. Wien sogar ein Überangebot besteht, herrscht im ländlichen Bereich ein deutlicher Mangel. Wie eine aktuelle Fragenbogenaktion ergab, verbringen internistische Rheumatologen im Durchschnitt nur 47 Prozent ihrer Arbeitszeit mit rheumatologischen Tätigkeiten. Manche sind überhaupt nicht rheumatologisch tätig. Einer der Gründe dafür liegt in der zu niedrigen Vergütung rheumatologischer Leistungen, die dem in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Arbeitsaufwand für den behandelnden Arzt nicht gerecht wird.
Die Ergebnisse der Befragung sollen zu einer besseren Beurteilung der tatsächlichen regionalen Versorgunglage beitragen und bei der Erstellung des zukünftigen Bedarfs an internistischen Rheumatologen helfen. "Eine Dezentralisierung im Sinne eines ausreichenden und – auch wirtschaftlich – attraktiven Angebots an Kassenstellen auch im ländlichen Raum wäre äußerst wünschenswert", so Dr. Puchner.

 

Weitere Kongress-Highlights
"Als weiteres Highlight stand der Vortrag des international renommierten Experten Prof. Wolfgang Schmidt aus Berlin zum Thema Vaskulitistherapie auf dem Programm", erklärt Dr. Judith Sautner, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, Geschäftsführerin der ÖGR, OÄ an der 2. Medizinischen Abteilung des Landesklinikums Stockerau, NÖ Kompetenzzentrum für Rheumatologie. Auch das Angebot an Vorkongressen wurde in diesem Jahr weiter ausgebaut.
Neu in diesem Jahr war die Sitzung "Beyond Rheumatology"; Ziel dieses neuen Formates ist es, den wissenschaftlichen Blick über den Tellerrand der Rheumatologie auch in andere wissenschaftliche Bereiche zu ermöglichen – zur Erweiterung des Horizontes. Für die erste Sitzung konnte heuer der bekannte Philosoph Prof. Konrad Paul Liessmann gewonnen werden, der sich dem Thema "Bildung als Provokation" widmete.
Insgesamt präsentierte sich die ÖGR auf ihrer heurigen Jahrestagung nicht nur inhaltlich als moderne, zukunftsorientierte Gesellschaft, sondern quasi auch in neuem Gewand – mit neuem Logo und neuem medialen Auftritt sowie mit einer neuen Website.

 

Rheumaliga: Plattform zwischen Arzt und Patient
Auf der ÖGR-Jahrestagung war – wie jedes Jahr – auch die Österreichische Rheumaliga (ÖRL, http://www.rheumaliga.at) vertreten. Diese ehrenamtlich geführte österreichweite, parteipolitisch und religiös neutrale Selbsthilfeorganisation von Rheumakranken und Angehörigen widmet sich dem Ziel, die gemeinsamen Interessen der Betroffenen zu fördern und ihnen beim Umgang mit der Krankheit zu helfen. "Kurz gesagt: Wir bieten Information, Beratung, Unterstützung und Begleitung", erläutert ÖRL-Präsidentin Gertraud Schaffer.

 

Weitere Infos:

http://www.rheumatologie.at und http://www.rheumaliga.at