Definition Rheuma

Arthrose:
Die Arthrose („Abnutzungserkrankung“) ist die häufigste rheumatische Erkrankung. Durch verschiedene Faktoren (z.B. mechanische durch Fehlstellungen, Überlastung, Verletzungen, Alter) kommt es bei bestimmter erblicher Veranlagung zu vermehrtem Abbau von Gelenkknorpel, sodass die Knorpelschicht zwischen den Knochen abnimmt und im fortgeschrittenen Stadium Knochen aneinander reiben. Dies geht mit Schmerzen – meist bei Beginn einer Bewegung –, mit Belastungsschmerzen und Bewegungseinschränkungen, Muskelverspannungen und letztendlich auch Gelenkverformungen einher.


Rheumatoide Arthritis:
Die chronische Polyarthritis (cP) oder auch rheumatoide Arthritis (RA) ist eine der häufigsten Formen der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie verläuft oftmals schubweise. Charakteristisch sind entzündliche Schwellungen der Gelenkinnenhaut und der gelenknahen Strukturen (z.B. Schleimbeutel). Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer, mit einem Altersgipfel zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. In Österreich leiden rund 70.000-80.000 Menschen an cP. Jährlich gibt es zwischen 2.500 und 4.700 Neuerkrankungen.


Spondyloarthritis:
Die Spondyloarthritis (Spondyl = Wirbel; Arthros = Gelenk; -itis = Entzündung) ist eine Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke und der kleinen Gelenke in der Wirbelsäule. Manchmal kann es auch zu Entzündungen in anderen Gelenken, wie z.B. im Kniegelenk, kommen. Charakteristisch ist das vermehrte Vorkommen des Erbmerkmales HLA-B27, das sich im Laufe des Lebens nicht verändert.


Psoriasisarthritis:
Die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine chronische Hauterkrankung, die sich durch gerötete und meist stark schuppende Hautveränderungen, die entweder nur an bestimmten Stellen (z.B. Ellbogen, Knie, Kopfhaut) oder manchmal auch am ganzen Körper auftreten, äußert. Auch die Nägel können in typischer Weise befallen sein. Etwa 5-15% erkranken auch an schmerzhaften Gelenkentzündungen (Arthritis).


Morbus Still
Die Erwachsenenform des Morbus Still (adult onset Still's disease (AOSD) ist eine entzündliche Systemerkrankung mit Fieber, Ausschlag und Gelenksentzündung, sowie oft auftretenden Entzündungen innerer Organe.


Reaktive Arthritis
Eine reaktive Arthritis ist eine Gelenksentzündung bei Personen, die meist jünger als 40 Jahre sind, und als Folge einer gelenksfernen Infektion entsteht. Auslöser können Infektionen der Geschlechtsorgane (z.B. durch Chlamydien), bakterielle Infektionen der Atemwege, Harnwegsinfekte oder Darminfektionen (z.B. durch Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien) sein.


Systemischer Lupus erythematodes
Der Systemische Lupus erythematodes (SLE) gehört zu den sogenannten „Kollagenosen“ (etwas veralteter Ausdruck für viele systemische Autoimmunerkrankungen) mit einem sehr breiten Spektrum an Krankheitsausprägungen: Hauterscheinungen (Schmetterlingserythem: schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht, typischerweise mit Aussparung der Region um den Mund und um die Augen), Nierenentzündung (Nephritis) mit Eiweißverlust und oft weiteren schweren Organschäden, Gefäßentzündung (Vaskulitis), Entzündung der Herzklappen (Lupus-Endokarditis), Serositis (Bauchfell, Rippfell und Herzbeutel), Hirnentzündung sowie eine Gelenksentzündung (Lupusarthritis).


Systemische Sklerose
Bei der systemischen Sklerose – gelegentlich veraltet als Sklerodermie bezeichnet – können neben der Haut auch alle inneren Organe betroffen sein. Es kommt vorwiegend zu Verhärtungen mit Einlagerung von Bindegewebsfasern („Fibrose“), am öftesten in der Haut, der Lunge, im Herz, in den Nieren und im Darm. Häufig ist auch eine Entzündung der Speichel- oder Tränendrüsen, mit starker Trockenheit von Mund und Augen („Sicca-Syndrom“). Es kommt auch oft zu anfallsartig auftretenden Veränderungen der Arterien, vor allem an Händen oder Füßen. Diese führen zu schmerzhaften Durchblutungsstörungen (Morbus Raynaud).


Polymyalgia rheumatica
Bei der Polymyalgie handelt es sich um eine entzündliche Autoimmunerkrankung, die mit Schmerzen und daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen vor allem im Schulter- und Beckengürtel einhergeht. Die Krankheit tritt vorwiegend bei Personen über 50 auf, Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer.


Gicht
Bei der Gicht (Arthritis urica) kommt es durch Harnsäurekristalle in den betroffenen Gelenken zu einer Entzündung: Die Gelenke schwellen an und schmerzen sehr stark. Die Anfälle treten meist nachts oder in den frühen Morgenstunden auf. Meistens ist das Grundgelenk der großen Zehe betroffen. Es schwillt an und ist oft so prall, dass die Haut glänzend gespannt ist und sehr stark schmerzt. Das betroffene Gelenk kann kaum berührt oder bewegt werden.


Vasculitiden
Vasculitiden sind entzündliche Gefäßerkrankungen, die sich meist mit schweren Allgemeinsymptomen äußern und vor allem durch die Beteiligung zahlreicher Organe zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können. Eine häufige Form ist die Riesenzellarteriitis mit einer sehr schmerzhaften und oft insbesondere für die Augen gefährlichen Entzündung der Schläfenarterien und anderer größerer oder mittlerer Arterien.


Biologika:

„Biologika“ sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die gezielt bestimmte Cytokine (Botenstoffe), z.B. entzündungsfördernde Botenstoffe wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), Interleukin-6 (IL-6) oder Interleukin-1(IL-1) blockieren, eine zusätzliche Stimulation von wichtigen Immunzellen (T-Zellen) oder andere Abwehrzellen (B-Zellen) mit einem bestimmten Oberflächenmarker (CD20) hemmen.


TNF-Blocker:

blockieren den Botenstoff Tumor Nekrosefaktor-alpha (TNF-α).

  • Adalimumab
  • Certolizumab
  • Etanercept
  • Golimumab
  • Infliximab


Co-Stimulationsblocker:

hemmen die zusätzliche Stimulation von T-Zellen

  • Abatacept


IL-6-Antagonisten:

hemmen den entzündungsfördernden Botenstoff Interleukin-6

  • Tocilizumab


CD20-Antikörper:

binden an B-Zellen mit CD20 als Oberflächenmarker

  • Rituximab


IL-1-Antagonisten:

blockieren den entzündungsfördernden Botenstoff Interleukin-1

  • Anakinra


Biosimilar:

Ein biologisches Medikament, das ähnlich wie ein bereits vorhandenes (= Referenzprodukt) entwickelt wurde. Biosimilars sind keine „Generika“. Generika haben eine einfachere chemische Struktur und können als identisch mit der Referenzsubstanz betrachtet werden. Die aktive Substanz des Biosimilars ist im Wesentlichen gleich mit dem Originalpräparat, obwohl kleinere Unterschiede aufgrund der komplexen Natur und der Produktionsmethoden bestehen können (Definition laut European League Against Rheumatism(EULAR) bzw. European Medicines Agency (EMA)).


Basistherapeutika („conventional synthetic DMARDs – csDMARDs”)

Konventionelle synthetische Basismedikamente („Basistherapeutika“), auch als Disease Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs) bezeichnet, beeinflussen grundsätzlich das Krankheitsgeschehen, hemmen den Entzündungsprozess und verhindern damit die Zerstörung der Gelenke. Ihre Wirkung tritt verzögert auf.


Methotrexat, „Goldstandard“ in der Therapie der chronischen Polyarthritis

  • Leflunomid
  • Sulfasalazin


Targeted synthetic DMARDs (tsDMARDs)

Targeted synthetic DMARDs (tsDMARDs) richten sich zielgerichtet (target=Ziel) gegen bestimmte Substanzen bei der Übertragung von Signalen von außen in den Zellkern, z.B. Inhibitoren der Januskinasen (JAK).

  • Baricitinib
  • Tofacitinib