Aufklärungsvideo zur Covid-19 Impfung
FAQs zur Covid-19 Impfungen

FAQs zu SARS-CoV-2 Impfungen bei Patient*Innen

mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

(Stand 7.04.2021)

 

Die ÖGR möchte mit diesen Informationen zum Thema „Impfung gegen SARS-CoV-2“ häufige Fragen im Umgang mit den aktuell zur Verfügung stehenden COVID-19-Impfstoffen beantworten. Dies soll beitragen, Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen so gut wie möglich zu informieren und Sorgen und Ängsten entgegenzuwirken. Bei sich laufend änderndem, zunehmendem Wissensstand sind diese Informationen als „living guideline“ zu verstehen. Updates werden so zeitnah wie möglich veröffentlicht.

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1) Welche Impfstoffe sind derzeit in Österreich verfügbar, und auf welchem Prinzip basieren sie?

Im Dezember 2020 wurde die erste, im Jänner 2021 die zweite COVID-19-Impfung (beide mRNA-Impfstoffe) von FDA und EMA zugelassen. Für diese mRNA-Impfung gilt, dass 2 Impfdosen im Abstand von 3 bzw. 4 Wochen zu verabreichen sind. Im Jänner 2021 wurde der erste Vektor-basierte Impfstoff von der EMA zugelassen, ebenfalls mit zwei Impfdosen - im Abstand 11-12 Wochen. Im März 2021 wurde der zweite Vektor-basierte Impfstoff der Firma Janssen (Einmalgabe) zugelassen. Verschiedene andere Impfstoffe sind in Österreich noch nicht zugelassen, bzw. werden aktuell in Phase-3-Studien überprüft.

 

2) Sollen Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bzw. Patient*innen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie SARS-CoV-2 geimpft werden?

Die ÖGR befürwortet eine Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie.

Für die verschiedenen Vakzine liegen allerdings aktuell noch keine Daten zur Sicherheit und Effektivität bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie vor. Diese Patientengruppen waren– ebenso wie Schwangere–großteils von den Zulassungsstudien ausgenommen. Es ist derzeit auch nicht zu beantworten, ob Impfungen in diesen Patientengruppen voll wirksam sind.

Von einem erhöhten Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung bei Rheuma- Patient*innen ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszugehen.

Neben dem individuellen Schutz mit deutlicher Reduktion des Infektionsrisikos (Schutzwirkung zwischen 70-95% je nach Patientenpopulation und Impfstoff- allerdings noch mit Unklarheit, ob diese Schutzwirkung bei Rheumapatienten im selben Ausmaß eintritt) mehren sich die Daten, dass eine COVID-19-Impfung auch zu einer Reduktion der Virusverbreitung durch geimpfte Personen führt und ferner im Falle einer Infektion vor einer schweren Erkrankung schützt.

 

3) Was sind wesentliche Aspekte bzw. mögliche Risken von mRNA-Impfstoffen?

Impfungen, die auf der Grundlage von mRNA oder nicht-replizierbaren Vektoren beruhen, sind als Totimpfstoffe anzusehen und stellen daher für Patient*Innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie keine Gefahr dar. mRNA- und Vektor-basierte Impfungen stellen auch keine Gentherapie dar. Die mRNA und die auf dem Vektor integrierte DNA kann nicht in das menschliche Erbgut eingebaut werden. Eine Zusammensetzung infektiöser Viruspartikel im geimpften Organismus ist unmöglich. Durch die Vakzine kommt es zur vorübergehenden Bildung von einzelnen Virusproteinen, gegen die das Immunsystem zu seinem Schutz Antikörper produzieren kann.

 

4) Sollen bestimmte Impfstoffe bevorzugt für Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie eingesetzt werden?

Das Nationale Impfgremium hat in seiner aktuellen Stellungnahme (Stand 24.03.2021) hervorgehoben, dass aufgrund neuer Daten aus aktuellen großen Anwendungsstudien nun alle 4 in Österreich zugelassenen COVID-19-Impfstoffe (BioNTech-PfizerTM, ModernaTM, AstraZenecaTM und JanssenTM) uneingeschränkt für die Impfung von Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie und für alle Altersgruppen herangezogen werden können.

 

5) Kann die SARS-CoV2-Impfung einen Schub einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung
auslösen?

Es gibt bis jetzt keine Hinweise darauf, dass durch die Impfung ein Schub oder eine
Verschlechterung der Grundkrankheit ausgelöst werden kann.

 

6) Wie erfolgt die Priorisierung von Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen für die SARS-CoV-2 Impfung?

Entsprechend den aktuellen Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen (Version 4, Stand 31.03.2021) sind Personen (unabhängig vom Alter) mit besonders hohem Risiko und deren engste Kontaktpersonen mit Priorität HOCH (Priorität 2 von 7) gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Dazu gehören u.a. auch Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie. Es wird allen Patient*innen empfohlen, sich so bald wie möglich für die Impfung anzumelden.

 

7) Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Impfung bei Patient*innen unter Immunsuppression/Immunmodulation?

Optimalerweise sollten Totimpfungen spätestens 2 Wochen vor Therapiestart mit einer immunsuppressiven/Immunmodulierenden Therapie abgeschlossen sein. Eine laufende immunsuppressive/immunmodulierende Therapie soll nicht abgesetzt werden, um eine bessere Impfantwort zu erzielen. Ein Absetzen birgt das hohe Risiko einer Reaktivierung der entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Daten zum optimalen Zeitpunkt der Verabreichung der derzeit in Österreich zugelassenen COVID-19-Impfstoffe unter laufender immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie liegen nicht vor. Hinsichtlich des besten Zeitpunkts einer Impfung im Hinblick auf die laufende immunsuppressive/immunmodulierende Therapie gelten prinzipiell dieselben Richtwerte und Hinweise, wie für andere Totimpfungen. Bei derzeit knappem Impfstoffkontingent sollte eine verfügbare Impfung jedenfalls gegeben werden - wenn möglich, in der Mitte des Therapieintervalls.

 

8) Wie geht man am besten bei Patient*innen unter bestehender Therapie mit Rituximab
vor?

  • Patient*innen unter B-Zell-depletierender Therapie (insbesondere Rituximab (RTX) weisen nach derzeitigem Wissensstand ein deutlich erhöhtes Risiko für eine verlängerte Infektiosität sowie einen prolongierten Verlauf einer COVID19-Infektion auf.
  • Generell sollen Patient*innen vor Beginn einer B-Zell-depletierenden Therapie geimpft werden, so auch gegen SARS-CoV2.
  • Unter laufender RTX-Therapie kann die Impfantwort abhängig vom Zeitpunkt der Letztgabe von RTX eingeschränkt sein. Daher sollte der betreuende Arzt/die betreuende Ärztin die Impftauglichkeit feststellen und die SARS-CoV2-Impfung planen. Dazu ist eventuell die Erhebung bestimmter Laborwerte notwendig bzw. die Betreuung in einem Zentrum mit entsprechender Expertise sinnvoll.

 

9) Wie soll der Abstand zu anderen Tot-/Lebendimpfstoffen gewählt werden?

Es wird allgemein ein Abstand von 14 Tagen zu anderen Totimpfungen und von 28 Tagen zu Lebendimpfungen angegeben, um Impfreaktionen auf die neuen COVID-19-Impfstoffe von Reaktionen auf andere Impfungen unterscheiden zu können. Dies gilt für jede der Teilimpfungen gegen SARS-CoV-2 und trifft auch für Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Medikation zu. Wichtig ist, dass eine weitere dringende Impfindikation in zeitlicher Nähe zur COVID-19- Impfung lt. Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (Stand 24.03.2021) wahrgenommen werden kann.

 

10) Sind SARS-CoV-2-AK-Titer-Kontrollen nach Impfung von Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen bzw. unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie sinnvoll, und wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?

In speziellen Situationen, wie z.B. bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter manchen immunsuppressiven/immunmodulierenden Therapien erlauben „Titer-Kontrollen“ Einblicke in die Immunantwort dieser Erkrankten und können daher wichtige Aufschlüsse über das Impfansprechen geben. Solche Tests werden aktuell nicht routinemäßig eingesetzt, sondern nur in Kooperation mit oder an spezialisierten Zentren angeboten.

 

11) Gibt es Patient*innen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, welche definitiv NICHT geimpft werden sollten?

  • Patient*innen im akuten Schub ihrer entzündlich-rheumatischen Erkrankung sollten vor jeder Impfung zuerst eine Intensivierung der Therapie der Grundkrankheit erfahren, um deren Aktivität zu reduzieren und ein gutes Impfansprechen zu erzielen. Ein Abstand von vier Wochen bis zur Impfung wird vom Nationalen Impfgremium empfohlen.
  • Patient*innen mit zu erwartendem fehlendem Impfansprechen.
  • Eine schwere allergische Impfreaktion in der Vorgeschichte, bekannte Allergien gegen Impfinhaltsstoffe (z.B. Polyethylenglykol=PEG) gelten als Kontraindikation.

 

12) Sollen Patient*Innen nach durchgemachter COVID-19 Infektion geimpft werden?

Nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (STIKO, Robert-Koch-Institut, Deutschland) sollten bereits an COVID-19 erkrankte Personen aufgrund der anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion, zur Vermeidung möglicher überschießender Nebenwirkungen und in Anbetracht des bestehenden Impfstoffmangels-unter Berücksichtigung der Priorisierung-im Regelfall erst etwa 6-8 Monate nach Genesung geimpft werden.

 

13) Vorgehen bei Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit?

  • Prinzipiell soll bei Frauen mit Kinderwunsch der Impfstatus erhoben und alle notwendigen (Auffrischungs-)Impfungen entsprechend dem Österreichischen Impfplan durchgeführt werden.
  • Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie und aktuellem Kinderwunsch wird die COVID-19-Impfung empfohlen.
  • Kein derzeit in Österreich angewendeter Impfstoff hat eine Zulassung für die Anwendung in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Laut STIKO bzw. gynäkologischen Fachgesellschaften (zB ÖGGG bzw. DGGG) kann eine COVID-19-Impfung in Einzelfällen Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung nach strenger Nutzen- Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung angeboten werden.
  • Die STIKO hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.

 

14) Gibt es in diesem Zusammenhang auch andere Impfempfehlungen?

Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sollen entsprechend den aktuellen Empfehlungen des Österreichischen Impfplans durchgeführt werden. Dies ist insbesondere deshalb so wichtig, weil Personen, welche gegen Influenza und Pneumokokken geimpft wurden, möglicherweise ein geringeres Risiko aufweisen, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren.

 

15) Sollen auch Angehörige von Rheuma-Patient*innen geimpft werden?

Prinzipiell wird für Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie eine klare Empfehlung zur Impfung von engen Kontaktpersonen ausgesprochen.

 

Zusätzlich müssen auch nach der Impfung weiterhin alle Vorsichtsmaßnahmen (Mund-Nasenschutz, Hygiene und Abstandsregeln) befolgt werden.

 

Die ÖGR wird die Entwicklungen zur COVID-19-Impfung kontinuierlich beobachten und die Informationen entsprechend aktualisieren.

 

Univ.-Prof. Dr. G. Weiss, Univ.-Prof. Dr. U. Wiedermann-Schmidt, Univ.-Prof. Dr. S. Winkler PD Dr. C. Duftner, Univ.-Doz. Dr. Johann Gruber, Univ.-Doz. Dr. Josef Hermann, PD Dr. H. Lechner-Radner, PD Dr. H. Pieringer, OÄ Dr. J. Sautner, Univ.-Prof. Dr. C. Scheinecker, Univ.- Prof. Dr. M. Stradner

 

Literatur/hilfreiche Links: 

 

Informationen des BM für Soziales und Gesundheit zur Corona-Schutzimpfung mit Statements des Nationalen Impfgremiums:

https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung---Fachinformationen.html

 

BM für Soziales und Gesundheit – allgemein:

https://www.sozialministerium.at/public.html

 

STIKO-Empfehlungen vom 29.01.2021 und 04.03.21:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/05_21.pdf?__blob=publicationFile
https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/AstraZeneca-Impfstoff.html

 

 

Furer V, et al, 2019 update of EULAR recommendations for vaccination in adult patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases. Ann Rheum Dis 2020;79(1):39-52. doi: 10.1136/annrheumdis-2019-215882.


Rondaan C, et al, Efficacy, immunogenicity and safety of vaccination in adult patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases: a systematic literature review for the 2019 update of EULAR recommendations. RMD Open. 2019 Sep 9;5(2):e001035. doi: 10.1136/rmdopen-2019-001035. eCollection 2019.

 

DGGG-Statement zur SARS-CoV2-Impfung in der Schwangerschaft zum download - PDF

COVID19-Impfung unter B-Zell-depletierender Therapie

ÖGN/ÖGR-Stellungnahme zu COVID19-Impfung unter Rituximab

Die Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) und die Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) haben eine Stellungnahme zur Corona (COVID-19) Schutzimpfung bei Patient*innen unter B-Zell-depletierender Therapie verfasst. Das gesamte Statement sowie weiterführende Links finden Sie nun hier zum Download.

 

ÖGN/ÖGR Stellungnahme - PDF

Q&A

COVID-19-Pandemie:

Die ÖGR beantwortet einige wichtige Fragen von Rheumapatient*innen

Stand 02.04.2020

1) Sind Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen einem erhöhten Infektionsrisiko (COVID-19) ausgesetzt?

 

Aktuell verfügen wir nicht über zuverlässige Daten, um diese wichtige Frage mit letzter Sicherheit zu beantworten. Patient*Innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen, insbesondere bei Einnahme von Immunsuppressiva, werden entsprechend den aktuell vorliegenden Richtlinien des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit seit 30.03.2020 als Risikopatient*Innen gesehen. Sollten Sie weitere Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Rheumatologen/Ihre behandelnde Rheumatologin.

 

2) Soll ich, als Rheumapatient*in, die Therapie unterbrechen?

 

Im Allgemeinen sollten Sie Ihre Therapie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem behandelnden Rheumatologen/Ihrer behandelnden Rheumatologin unterbrechen oder reduzieren. Sollten Sie jedoch Bedenken haben, ist es sinnvoll, telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin aufzunehmen, der/die Sie dann gezielt beraten kann.

 

  • Soll ich meine Therapie mit Immunsuppressiva unterbrechen oder reduzieren?

Ihre Behandlung mit Biologika, JAK-Inhibitoren, Methotrexat oder anderen Immunsuppressiva haben zum Ziel, die Aktivität Ihrer Erkrankung möglichst niedrig zu halten. Durch das selbständige Aussetzen oder die Reduktion dieser Medikamente über längere Zeit erhöht sich das Risiko für eine Reaktivierung der Erkrankung. Eine hohe Krankheitsaktivität wiederum stellt einen Risikofaktor für Infektionen dar. Zwar erhöhen einige Immunsuppressiva selbst auch das Risiko für Infektionen, allerdings versucht Ihr Rheumatologe/Ihre Rheumatologin die richtige Balance zwischen der Beibehaltung einer niedrigen Krankheitsaktivität und dem Einsatz immunhemmender Medikamente zu finden. Reduzieren oder unterbrechen Sie ihre Therapie deshalb keinesfalls selbst und ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin. Setzen Sie, die von den Behörden empfohlenen individuellen Schutzmaßnahmen (https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/) in der Praxis konsequent um. Sollten grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Husten auftreten, sollte (wie bei allen Infektionen, unabhängig von COVID-19) die Therapie unterbrochen werden und Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin und/oder Rheumatologe/-in informiert werden. Eine Therapie mit Sulfasalazin oder Hydroxychloroquin kann unverändert fortgesetzt werden.

 

  •  Soll ich die Therapie mit Kortison unterbrechen?

Auch hier gilt die Devise, dass keine Therapie, welche Ihre Rheumaerkrankung betrifft, ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin unterbrochen werden sollte. Die selbständige Unterbrechung oder die starke Reduktion der Kortisondosis stellt einen Risikofaktor für die Aktivierung Ihrer Erkrankung und für Kortisonentzugssymptome dar. Unter bestimmten Bedingungen kann die Reduktion von Kortison problemlos, jedoch unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Folgen Sie der Empfehlung Ihres Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin!

 

3) Kann ich, wie üblich, Schmerzmittel einnehmen?

 

Von mehreren Medien sind Informationen verbreitet worden, dass einige nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, wie beispielsweise Ibuprofen) die Coronavirus-Infektion erleichtern würden. Die Europäische Arzneimittelagentur sagt, dass zurzeit keine schlüssigen Hinweise auf eine solche Wirkung bestehen. Aktuell werden die bestehenden Daten bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur ausgewertet und überwacht. Sollte bei Auftreten von Symptomen, wie Fieber oder Schmerzen, eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, können zurzeit alle zur Verfügung stehenden Medikamente berücksichtigt werden, einschließlich Paracetamol und NSARs. Jedes Arzneimittel kann dem Patienten Vor- und Nachteile bringen. Patient*Innen, welche seit längerem NSARs einnehmen (z.B. zur Behandlung von entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen), können ihre gegenwärtige Therapie weiterführen. Zurzeit gibt es noch keine konkreten Empfehlungen, diese Therapie zu unterbrechen.

 

4) Wenn ich Chloroquin oder Hydroxychloroquin einnehme –– kann ich davon ausgehen, dass ich vor einer COVID-19-Infektion geschützt bin?

 

Die Ergebnisse von Laborversuchen zeigen, dass einige Arzneimittel wie Chloroquin und Hydroxychloroquin, welche in der Behandlung von rheumatischen Krankheiten verwendet werden, eine hemmende Wirkung auf die Virus-Replikation haben könnten. Bei einigen Patient*Innen mit Coronavirus-Lungenentzündung wurden diese Medikamente daher angewendet, allerdings kann derzeit nicht gesagt werden, ob diese Medikamente tatsächlich eine positive Wirkung bei Covid-19 haben. Wenn Sie regelmäßig diese Arzneimittel zur Behandlung Ihrer rheumatischen Erkrankung einnehmen, dann sollten Sie diese Therapie fortsetzen, allerdings kann man sich auf keinen Fall vor der Infektion geschützt fühlen. Jeder Rheumapatient/jede Rheumapatientin muss, wie alle anderen Menschen, den Empfehlungen und Anordnungen der Behörden folgen und sich vor der Infektion bestmöglich schützen (Sicherheitsabstand zu anderen Menschen von 2 Metern, möglichst zu Hause bleiben). Auf den vor kurzem aufgetretenen Versorgungsengpass für Hydroxychloroquin haben wir als ÖGR reagiert und unverzüglich Verhandlungen mit den zuständigen Stellen aufgenommen. Es sind nun alle Bestrebungen darauf ausgerichtet, dass dieses Präparat vor allem denjenigen Patient*Innen vorbehalten sein soll, welche Hydroxychloroquin als Dauertherapie in den zugelassenen Indikationen (z.B. entzündliche rheumatische Erkrankungen) erhalten, um deren Therapie sicherzustellen. Bitte informieren Sie uns bei anhaltenden Problemen, dieses Medikament zu erhalten, damit wir weitere Schritte setzen können.

 

5) Wenn ich mit Tocilizumab behandelt werde, kann ich davon ausgehen, dass ich vor der COVID- 19-Infektion geschützt bin?

 

Es gelten hier dieselben Hinweise wie für Chloroquin und Hydroxychloroquin. Die Therapie mit Tocilizumab könnte bei einer Untergruppe von Patient*Innen mit Coronavirus-Lungenentzündung von Nutzen sein, um durch das eigene Immunsystem hervorgerufene Entzündungsreaktionen in den Lungen zu hemmen. Allerdings hat das Medikament keine direkte Wirkung gegen das Virus selbst. Wenn Sie mit diesem Medikament behandelt werden, sind Sie daher nicht vor einer COVID-19 Infektion geschützt und müssen den Empfehlungen und Anordnungen der Behörden gleich folgen, wie Menschen ohne diese Therapie. Patient*Innen, die mit Tocilizumab behandelt werden, können die Therapie weiterführen.

 

6) Kann ich mit einer immunsuppressiven Therapie, einem Biologikum oder einem JAK Inhibitor in Zeiten der COVID-19 Pandemie überhaupt beginnen?

 

Die Antwort auf diese Frage muss individuell geklärt werden. Sollte die Therapie zur Behandlung Ihrer Erkrankung notwendig sein, um Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren und/oder Schäden an Gelenken oder Organen zu reduzieren, wird Ihnen Ihr Rheumatologe/Ihre Rheumatologin trotz der aktuellen COVID-19 Pandemie die Behandlung mit einem immunsuppressiven Medikament unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen empfehlen. Die Auswahl der geeignetsten Substanz wird im Einvernehmen zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin getroffen.

 

7) Ist es medizinisch sinnvoll von der Arbeit fernzubleiben, wenn ich in Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten bin?

 

Ob es medizinisch sinnvoll ist, dass Rheumapatient*innen vom Arbeitsplatz fernbleiben, damit sie noch besser vor einer Ansteckung geschützt sind, hängt von der Art der rheumatischen Erkrankung und vor allem davon ab, welche immunsuppressive Therapie sie erhalten. Diese Frage sollten Sie mit Ihrem betreuenden Rheumatologen/Ihrer betreuenden Rheumatologin besprechen. Darüber hinaus wurde vom Gesetzgeber ein besonderer Schutz von bestimmten Risikogruppen (dazu gehören Personen mit chronischen Erkrankungen des Immunsystems bzw. unter laufender Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten) im Rahmen der aktuellen Covid 19 – Pandemie in Bezug auf deren berufliche Exposition angekündigt.

 


8) Wie muss ich mich unter bestehender immunsuppressiver Therapie verhalten, wenn ich Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden habe?

 

Verhalten Sie sich bitte so, wie bei jedem anderen grippalen Infekt. Bleiben Sie zu Hause, trinken Sie viel, pausieren Sie die Immunsuppressiva vorübergehend bis zur vollständigen Rückbildung der Symptome und informieren Sie telefonisch Ihren Arzt/Ärztin.

 

9) Wie muss ich mich verhalten, wenn ich an COVID-19 erkrankt bin?

 

Bitte halten Sie sich an die vom Gesundheitsministerium vorgeschriebenen Vorgaben und wenden Sie sich umgehend an die entsprechenden Behörden. Die immunsuppressive Therapie muss mit Ausnahme von Sulfasalazin und Hydroxychloroquin für die Dauer der Infektion pausiert werden.

 

10) Muss ich besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn ich an Rheuma erkrankt bin?

 

Es gelten die gleichen Empfehlungen wie für die gesunde Bevölkerung, beachten Sie diese jedoch besonders genau. Sie zielen darauf ab, die Gesundheit aller Menschen aufrecht zu erhalten:

 

  • Hände und Handgelenke mit Wasser und Seife mindestens 20 Sek. waschen
  • Nicht an Mund, Nase und Augen fassen
  • Niesen Sie in Ihre Armbeuge oder in ein Einwegtaschentuch
  • Tragen Sie jedenfalls einen Mundnasenschutz, wenn Sie krank sind. Seit 01.04.2020 ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Einkaufen und optimalerweise auch im öffentlichen Bereich obligat.
  • Halten Sie mindestens einen Meter Abstand von anderen Menschen.
  • Vermeiden Sie Umarmungen und Händeschütteln.
  • Vermeiden Sie Ansammlungen von Menschen und alle Gelegenheiten, bei denen sie mit vielen Menschen in Kontakt kommen, außer jenen, mit denen Sie zusammenwohnen
  • Vermeiden Sie unnötige Reisen und bleiben Sie zu Hause, so viel Sie können. Gehen Sie nur bei tatsächlichem Bedarf aus dem Haus (Arbeit, Einkaufen, Apotheke)
  • Befolgen Sie streng die vom Gesundheitsministerium erlassenen Hinweise.

Wenn Sie weitere Fragen haben, treten Sie in Kontakt mit Ihrem Vertrauensrheumatologen/Ihrer Vertrauensrheumatologin, ohne zum Krankenhaus zu fahren. Benutzen Sie das Telefon oder melden Sie sich per E-Mail.
Die Zusammenarbeit untereinander ist der Eckpfeiler, um dieser Krise gut zu entkommen.

Was tun bei Immundefekten?

Information für Patient*Innen mit primären oder sekundären Immundefekten

Die neuesten Empfehlungen für PatientInnen mit primären und sekundären Immundefekten im Zusammenhang mit der SARS-CoV 2 Pandemie können Sie jetzt hier nachlesen - PDF

 

Patienten die unter einem primären oder sekundären Immundefekt leiden werden zur Risikogruppe gezählt. Derzeit existieren keine ausreichenden Daten zum Krankheitsverlauf im Falle einer COVID-19 Infektion, es könnte bei diesen Patient*Innen jedoch zu einem prolongierten und fulminant verlaufenden Krankheitsgeschehen kommen.

 

Besonders wichtig ist daher die größtmögliche Minderung des Risikos einer Infektion!

 

Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen sind:

  •  Häufiges, gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife.
  • Berührung des eigenen Gesichts mit ungewaschenen Händen vermeiden.
  • Einhalten eines Mindestabstandes zu anderen Personen, 1-2 Meter.

 

Mögliche zusätzliche Maßnahmen sind:

  • Verzicht auf die Teilnahme an Veranstaltungen mit vielen (>5) Menschen.
  • Home-office-Arbeit falls möglich (in Absprache mit dem Arbeitgeber)
  • Notwendige Einkäufe falls möglich an Gesunde abgeben.
  • Verschieben von Routinebesuchen in medizinischen Ambulanzen und Ordinationen.
  • Einschränken der Reisetätigkeit.

 

Was ist bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 Virus zu beachten:

  • Sollte der Verdacht für eine Infektion mit SARS-CoV-2 Virus bestehen, sollen die von den Behörden empfohlenen Maßnahmen befolgt werden. (AGES,https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/).
  • Informieren Sie Ihre behandelnden Ärzte über Ihren Immundefekt!
  • Im Falle einer Infektion, nehmen Sie oder Ihre Ärzte Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Zentrum für Immundefekte auf.

 

Für die Therapie mit Immunglobulin (Ig) (IVIG oder SCIg) gilt:

  • Führen Sie die Therapie weiter wie bisher.
  • Eine selbstständige Steigerung der Dosis ist nicht sinnvoll!

 

Weitere Informationen zu Immundefekten und COVID19 finden sie auf folgenden Seiten:

 

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html

 

https://esid.org/News-Events/Joint-statement-on-the-current-epidemics-of-new-Coronavirus

 

Es handelt sich bei der COVID-19-Pandemie um ein sehr dynamisches Geschehen. Anweisungen der Behörden können sich stündlich ändern und können über die hier getätigten Empfehlungen hinaus gehen oder diese ersetzen!

Internationales Patientenregister

NEWS: The Patient Experience Survey of the Global Rheumatology Alliance has closed. Concluding summeries can be found on their website.

 

EULAR COVID-19 database and Global Rheumatology Alliance

Die COVID-19 Krise ist eine globale Pandemie.


Während vorbestehende Lungenerkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen mit einem ungünstigen Verlauf der Erkrankung assoziiert zu sein scheinen, ist bisher nicht bekannt, ob eine rheumatologische Vorerkrankung ein Risikofaktor für eine erhöhte Morbidität bzw. Mortalität ist. Tatsächlich werden im Moment Studien zur Behandlung schwerer Verläufe der COVID Pneumonie mit Medikamenten durchgeführt, welche normalerweise für die Behandlung von entzündlich rheumatischen Erkrankungen angewendet werden.

 

Daher ist es umso wichtiger, weltweit mehr Erfahrungen darüber zu sammeln, wie der Verlauf der SARS-CoV-2 bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist.

 

Ein US-amerikanisches Kernteam aus RheumatologInnen haben im März die Global Rheumatology Alliance (GRA) mit internationaler Datenbank gegründet. In Zusammenarbeit mit GRA haben Vertreter der EULAR ein Register für alle Mitgliedsländer der EULAR initiiert.

 

In den letzten Wochen haben wir die regulatorischen Details der Dateneingabe von österreichischen PatientInnen mit COVID-19 geklärt. Die ÖGR unterstützt beide Initiativen und hat ein data processing agreement mit der EULAR abgeschlossen.

 

Die Ethikkommission und die Datenschutzbehörde der Medizinische Universität Wien hat das Projekt begutachtet und mit einem positiven Votum (EK-Nr: 1381/2020) beschieden.

 

Projektplan - PDF

PatientInneninformation und Einwilligungserklärung (ICF) - PDF

 

Wir bitten Sie somit jeden Fall von COVID unter Ihren RheumapatientInnen an das EULAR Register (https://www.eular.org/eular_covid19_database.cfm) zu melden. Auf dieser Seite finden Sie auch weitere Informationen zu der EULAR Initiative, der Steering Group und regelmäßige Berichte. 

 

Schrittweise Anleitung zum Melden von PatientInnen:

  1. 1. Schreiben Sie an Ihre jeweils zuständige Ethikkommission eine kurze Stellungnahme, dass es ein bestehendes Votum zu der EULAR COVID19 Datenbank der MUW gibt und Ihr Krankenhaus daran teilnehmen möchte. Sehen Sie hier (Link: http://www.ethikkommissionen.at/) eine Liste österreichischer Ethikkommissionen um die passende für sie zu finden. In den meisten Fällen wird sich Ihre zuständige Ethikkommission dem Votum anschließen. Bei weiteren Rückfragen seitens Ihrer Ethikkommission können Sie gerne mit Dr. Paul Studenic (email) oder PD Dr. Helga Lechner-Radner Kontakt aufnehmen.
  2. 2. Nutzen Sie https://www.eular.org/eular_covid19_database.cfm um einen Überblick über die gewünschten Informationen der EULAR COVID-19 Database zu erhalten. Auf dieser Seite können Sie in weiterer Folge die Informationen zu Ihren PatientInnen in der Datenbank eingeben (ca 10 Minuten). Sie sollten allerdings vor Eingabe der Daten das oben angeführte ICF von PatientInnen unterzeichnen lassen und dieses aufbewahren.

Der jeweilige Reporter kann seine eigenen eingegebenen Daten bei der EULAR abfragen lassen, das jeweilige Institut, die Daten des Instituts und die ÖGR auf Österreichebene. Es werden keine Daten verlangt, welche Ihren Patienten / Ihre Patientin identifizieren würde!

 

Sollten Sie als Rheumatologe*in oder HCP direkt an der Betreuung von Patient*innen mit RMDs beteiligt sein, bitten wir um 10 min Ihrer Zeit um uns in Zukunft besser auf etwaige weitere Covid-19 Wellen vorbereiten zu können.

 

Den Link zur Umfrage finden Sie hier.

 

Diese Seite wird regelmäßig upgedated. Neueste Infos erfahren Sie auch über https://rheum-covid.org/about/ und unsere Facebook, Twitter und Instagram Accounts.

 

Die ÖGR unterstützt die EULAR COVID-19 Datenbank und die „COVID-19 Global Rheumatology Alliance“ Initiative zur weltweiten Sammlung von Daten von RheumapatientInnen mit SARS-CoV-2 Infektion.

 

Machen wir gemeinsam einen Unterschied!

Webinar-Serie

"Rheuma und Covid-19"

Webinare zum Thema "Der Rheumapatient und Covid-19" mit Univ. Prof. Dr. Stefan Winkler

ACHTUNG!

 

Verpassen Sie nicht den nächsten Teil der Fortbildungsserie "„Der Rheumapatient und COVID-19 … Immunsuppression....was wissen wir? – Update“

 

Referent: Univ.-Prof. Dr. Stefan Winkler
Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie | Medizinische Universität Wien

 

Datum: Montag, 19.10.2020 von 18:00 bis 19:30 Uhr

 

Eine Vorabanmeldung ist erforderlich und kann hier durchgeführt werden.

 

 

Aus aktuellem Anlass stehen Ihnen jetzt alle Forbildungsveranstaltungen der Webinar-Serie "Der Rheumapatient und Covid-19" als Video-Stream zur Verfügung!

 

Jetzt hier "nach"sehen!

 

Referent: Univ.-Prof. Dr. Stefan Winkler

Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie

Medizinische Universität Wien

FAQs zu SARS-CoV-2 Impfungen bei Patient*Innen

mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

(Stand 7.04.2021)

 

Die ÖGR möchte mit diesen Informationen zum Thema „Impfung gegen SARS-CoV-2“ häufige Fragen im Umgang mit den aktuell zur Verfügung stehenden COVID-19-Impfstoffen beantworten. Dies soll beitragen, Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen so gut wie möglich zu informieren und Sorgen und Ängsten entgegenzuwirken. Bei sich laufend änderndem, zunehmendem Wissensstand sind diese Informationen als „living guideline“ zu verstehen. Updates werden so zeitnah wie möglich veröffentlicht.

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1) Welche Impfstoffe sind derzeit in Österreich verfügbar, und auf welchem Prinzip basieren sie?

Im Dezember 2020 wurde die erste, im Jänner 2021 die zweite COVID-19-Impfung (beide mRNA-Impfstoffe) von FDA und EMA zugelassen. Für diese mRNA-Impfung gilt, dass 2 Impfdosen im Abstand von 3 bzw. 4 Wochen zu verabreichen sind. Im Jänner 2021 wurde der erste Vektor-basierte Impfstoff von der EMA zugelassen, ebenfalls mit zwei Impfdosen - im Abstand 11-12 Wochen. Im März 2021 wurde der zweite Vektor-basierte Impfstoff der Firma Janssen (Einmalgabe) zugelassen. Verschiedene andere Impfstoffe sind in Österreich noch nicht zugelassen, bzw. werden aktuell in Phase-3-Studien überprüft.

 

2) Sollen Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bzw. Patient*innen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie SARS-CoV-2 geimpft werden?

Die ÖGR befürwortet eine Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie.

Für die verschiedenen Vakzine liegen allerdings aktuell noch keine Daten zur Sicherheit und Effektivität bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie vor. Diese Patientengruppen waren– ebenso wie Schwangere–großteils von den Zulassungsstudien ausgenommen. Es ist derzeit auch nicht zu beantworten, ob Impfungen in diesen Patientengruppen voll wirksam sind.

Von einem erhöhten Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung bei Rheuma- Patient*innen ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszugehen.

Neben dem individuellen Schutz mit deutlicher Reduktion des Infektionsrisikos (Schutzwirkung zwischen 70-95% je nach Patientenpopulation und Impfstoff- allerdings noch mit Unklarheit, ob diese Schutzwirkung bei Rheumapatienten im selben Ausmaß eintritt) mehren sich die Daten, dass eine COVID-19-Impfung auch zu einer Reduktion der Virusverbreitung durch geimpfte Personen führt und ferner im Falle einer Infektion vor einer schweren Erkrankung schützt.

 

3) Was sind wesentliche Aspekte bzw. mögliche Risken von mRNA-Impfstoffen?

Impfungen, die auf der Grundlage von mRNA oder nicht-replizierbaren Vektoren beruhen, sind als Totimpfstoffe anzusehen und stellen daher für Patient*Innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie keine Gefahr dar. mRNA- und Vektor-basierte Impfungen stellen auch keine Gentherapie dar. Die mRNA und die auf dem Vektor integrierte DNA kann nicht in das menschliche Erbgut eingebaut werden. Eine Zusammensetzung infektiöser Viruspartikel im geimpften Organismus ist unmöglich. Durch die Vakzine kommt es zur vorübergehenden Bildung von einzelnen Virusproteinen, gegen die das Immunsystem zu seinem Schutz Antikörper produzieren kann.

 

4) Sollen bestimmte Impfstoffe bevorzugt für Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie eingesetzt werden?

Das Nationale Impfgremium hat in seiner aktuellen Stellungnahme (Stand 24.03.2021) hervorgehoben, dass aufgrund neuer Daten aus aktuellen großen Anwendungsstudien nun alle 4 in Österreich zugelassenen COVID-19-Impfstoffe (BioNTech-PfizerTM, ModernaTM, AstraZenecaTM und JanssenTM) uneingeschränkt für die Impfung von Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie und für alle Altersgruppen herangezogen werden können.

 

5) Kann die SARS-CoV2-Impfung einen Schub einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung
auslösen?

Es gibt bis jetzt keine Hinweise darauf, dass durch die Impfung ein Schub oder eine
Verschlechterung der Grundkrankheit ausgelöst werden kann.

 

6) Wie erfolgt die Priorisierung von Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen für die SARS-CoV-2 Impfung?

Entsprechend den aktuellen Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen (Version 4, Stand 31.03.2021) sind Personen (unabhängig vom Alter) mit besonders hohem Risiko und deren engste Kontaktpersonen mit Priorität HOCH (Priorität 2 von 7) gegen SARS-CoV-2 zu impfen. Dazu gehören u.a. auch Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie. Es wird allen Patient*innen empfohlen, sich so bald wie möglich für die Impfung anzumelden.

 

7) Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Impfung bei Patient*innen unter Immunsuppression/Immunmodulation?

Optimalerweise sollten Totimpfungen spätestens 2 Wochen vor Therapiestart mit einer immunsuppressiven/Immunmodulierenden Therapie abgeschlossen sein. Eine laufende immunsuppressive/immunmodulierende Therapie soll nicht abgesetzt werden, um eine bessere Impfantwort zu erzielen. Ein Absetzen birgt das hohe Risiko einer Reaktivierung der entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Daten zum optimalen Zeitpunkt der Verabreichung der derzeit in Österreich zugelassenen COVID-19-Impfstoffe unter laufender immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie liegen nicht vor. Hinsichtlich des besten Zeitpunkts einer Impfung im Hinblick auf die laufende immunsuppressive/immunmodulierende Therapie gelten prinzipiell dieselben Richtwerte und Hinweise, wie für andere Totimpfungen. Bei derzeit knappem Impfstoffkontingent sollte eine verfügbare Impfung jedenfalls gegeben werden - wenn möglich, in der Mitte des Therapieintervalls.

 

8) Wie geht man am besten bei Patient*innen unter bestehender Therapie mit Rituximab
vor?

  • Patient*innen unter B-Zell-depletierender Therapie (insbesondere Rituximab (RTX) weisen nach derzeitigem Wissensstand ein deutlich erhöhtes Risiko für eine verlängerte Infektiosität sowie einen prolongierten Verlauf einer COVID19-Infektion auf.
  • Generell sollen Patient*innen vor Beginn einer B-Zell-depletierenden Therapie geimpft werden, so auch gegen SARS-CoV2.
  • Unter laufender RTX-Therapie kann die Impfantwort abhängig vom Zeitpunkt der Letztgabe von RTX eingeschränkt sein. Daher sollte der betreuende Arzt/die betreuende Ärztin die Impftauglichkeit feststellen und die SARS-CoV2-Impfung planen. Dazu ist eventuell die Erhebung bestimmter Laborwerte notwendig bzw. die Betreuung in einem Zentrum mit entsprechender Expertise sinnvoll.

 

9) Wie soll der Abstand zu anderen Tot-/Lebendimpfstoffen gewählt werden?

Es wird allgemein ein Abstand von 14 Tagen zu anderen Totimpfungen und von 28 Tagen zu Lebendimpfungen angegeben, um Impfreaktionen auf die neuen COVID-19-Impfstoffe von Reaktionen auf andere Impfungen unterscheiden zu können. Dies gilt für jede der Teilimpfungen gegen SARS-CoV-2 und trifft auch für Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen unter immunsuppressiver/immunmodulierender Medikation zu. Wichtig ist, dass eine weitere dringende Impfindikation in zeitlicher Nähe zur COVID-19- Impfung lt. Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (Stand 24.03.2021) wahrgenommen werden kann.

 

10) Sind SARS-CoV-2-AK-Titer-Kontrollen nach Impfung von Patient*innen mit entzündlich- rheumatischen Erkrankungen bzw. unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie sinnvoll, und wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?

In speziellen Situationen, wie z.B. bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter manchen immunsuppressiven/immunmodulierenden Therapien erlauben „Titer-Kontrollen“ Einblicke in die Immunantwort dieser Erkrankten und können daher wichtige Aufschlüsse über das Impfansprechen geben. Solche Tests werden aktuell nicht routinemäßig eingesetzt, sondern nur in Kooperation mit oder an spezialisierten Zentren angeboten.

 

11) Gibt es Patient*innen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, welche definitiv NICHT geimpft werden sollten?

  • Patient*innen im akuten Schub ihrer entzündlich-rheumatischen Erkrankung sollten vor jeder Impfung zuerst eine Intensivierung der Therapie der Grundkrankheit erfahren, um deren Aktivität zu reduzieren und ein gutes Impfansprechen zu erzielen. Ein Abstand von vier Wochen bis zur Impfung wird vom Nationalen Impfgremium empfohlen.
  • Patient*innen mit zu erwartendem fehlendem Impfansprechen.
  • Eine schwere allergische Impfreaktion in der Vorgeschichte, bekannte Allergien gegen Impfinhaltsstoffe (z.B. Polyethylenglykol=PEG) gelten als Kontraindikation.

 

12) Sollen Patient*Innen nach durchgemachter COVID-19 Infektion geimpft werden?

Nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (STIKO, Robert-Koch-Institut, Deutschland) sollten bereits an COVID-19 erkrankte Personen aufgrund der anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion, zur Vermeidung möglicher überschießender Nebenwirkungen und in Anbetracht des bestehenden Impfstoffmangels-unter Berücksichtigung der Priorisierung-im Regelfall erst etwa 6-8 Monate nach Genesung geimpft werden.

 

13) Vorgehen bei Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit?

  • Prinzipiell soll bei Frauen mit Kinderwunsch der Impfstatus erhoben und alle notwendigen (Auffrischungs-)Impfungen entsprechend dem Österreichischen Impfplan durchgeführt werden.
  • Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie und aktuellem Kinderwunsch wird die COVID-19-Impfung empfohlen.
  • Kein derzeit in Österreich angewendeter Impfstoff hat eine Zulassung für die Anwendung in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Laut STIKO bzw. gynäkologischen Fachgesellschaften (zB ÖGGG bzw. DGGG) kann eine COVID-19-Impfung in Einzelfällen Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung nach strenger Nutzen- Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung angeboten werden.
  • Die STIKO hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.

 

14) Gibt es in diesem Zusammenhang auch andere Impfempfehlungen?

Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sollen entsprechend den aktuellen Empfehlungen des Österreichischen Impfplans durchgeführt werden. Dies ist insbesondere deshalb so wichtig, weil Personen, welche gegen Influenza und Pneumokokken geimpft wurden, möglicherweise ein geringeres Risiko aufweisen, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren.

 

15) Sollen auch Angehörige von Rheuma-Patient*innen geimpft werden?

Prinzipiell wird für Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter immunsuppressiver/immunmodulierender Therapie eine klare Empfehlung zur Impfung von engen Kontaktpersonen ausgesprochen.

 

Zusätzlich müssen auch nach der Impfung weiterhin alle Vorsichtsmaßnahmen (Mund-Nasenschutz, Hygiene und Abstandsregeln) befolgt werden.

 

Die ÖGR wird die Entwicklungen zur COVID-19-Impfung kontinuierlich beobachten und die Informationen entsprechend aktualisieren.

 

Univ.-Prof. Dr. G. Weiss, Univ.-Prof. Dr. U. Wiedermann-Schmidt, Univ.-Prof. Dr. S. Winkler PD Dr. C. Duftner, Univ.-Doz. Dr. Johann Gruber, Univ.-Doz. Dr. Josef Hermann, PD Dr. H. Lechner-Radner, PD Dr. H. Pieringer, OÄ Dr. J. Sautner, Univ.-Prof. Dr. C. Scheinecker, Univ.- Prof. Dr. M. Stradner

 

Literatur/hilfreiche Links: 

 

Informationen des BM für Soziales und Gesundheit zur Corona-Schutzimpfung mit Statements des Nationalen Impfgremiums:

https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung---Fachinformationen.html

 

BM für Soziales und Gesundheit – allgemein:

https://www.sozialministerium.at/public.html

 

STIKO-Empfehlungen vom 29.01.2021 und 04.03.21:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/05_21.pdf?__blob=publicationFile
https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/AstraZeneca-Impfstoff.html

 

 

Furer V, et al, 2019 update of EULAR recommendations for vaccination in adult patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases. Ann Rheum Dis 2020;79(1):39-52. doi: 10.1136/annrheumdis-2019-215882.


Rondaan C, et al, Efficacy, immunogenicity and safety of vaccination in adult patients with autoimmune inflammatory rheumatic diseases: a systematic literature review for the 2019 update of EULAR recommendations. RMD Open. 2019 Sep 9;5(2):e001035. doi: 10.1136/rmdopen-2019-001035. eCollection 2019.

 

DGGG-Statement zur SARS-CoV2-Impfung in der Schwangerschaft zum download - PDF

ÖGN/ÖGR-Stellungnahme zu COVID19-Impfung unter Rituximab

Die Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) und die Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR) haben eine Stellungnahme zur Corona (COVID-19) Schutzimpfung bei Patient*innen unter B-Zell-depletierender Therapie verfasst. Das gesamte Statement sowie weiterführende Links finden Sie nun hier zum Download.

 

ÖGN/ÖGR Stellungnahme - PDF

COVID-19-Pandemie:

Die ÖGR beantwortet einige wichtige Fragen von Rheumapatient*innen

Stand 02.04.2020

1) Sind Patient*innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen einem erhöhten Infektionsrisiko (COVID-19) ausgesetzt?

 

Aktuell verfügen wir nicht über zuverlässige Daten, um diese wichtige Frage mit letzter Sicherheit zu beantworten. Patient*Innen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen, insbesondere bei Einnahme von Immunsuppressiva, werden entsprechend den aktuell vorliegenden Richtlinien des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit seit 30.03.2020 als Risikopatient*Innen gesehen. Sollten Sie weitere Fragen dazu haben, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Rheumatologen/Ihre behandelnde Rheumatologin.

 

2) Soll ich, als Rheumapatient*in, die Therapie unterbrechen?

 

Im Allgemeinen sollten Sie Ihre Therapie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem behandelnden Rheumatologen/Ihrer behandelnden Rheumatologin unterbrechen oder reduzieren. Sollten Sie jedoch Bedenken haben, ist es sinnvoll, telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin aufzunehmen, der/die Sie dann gezielt beraten kann.

 

  • Soll ich meine Therapie mit Immunsuppressiva unterbrechen oder reduzieren?

Ihre Behandlung mit Biologika, JAK-Inhibitoren, Methotrexat oder anderen Immunsuppressiva haben zum Ziel, die Aktivität Ihrer Erkrankung möglichst niedrig zu halten. Durch das selbständige Aussetzen oder die Reduktion dieser Medikamente über längere Zeit erhöht sich das Risiko für eine Reaktivierung der Erkrankung. Eine hohe Krankheitsaktivität wiederum stellt einen Risikofaktor für Infektionen dar. Zwar erhöhen einige Immunsuppressiva selbst auch das Risiko für Infektionen, allerdings versucht Ihr Rheumatologe/Ihre Rheumatologin die richtige Balance zwischen der Beibehaltung einer niedrigen Krankheitsaktivität und dem Einsatz immunhemmender Medikamente zu finden. Reduzieren oder unterbrechen Sie ihre Therapie deshalb keinesfalls selbst und ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin. Setzen Sie, die von den Behörden empfohlenen individuellen Schutzmaßnahmen (https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/) in der Praxis konsequent um. Sollten grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Husten auftreten, sollte (wie bei allen Infektionen, unabhängig von COVID-19) die Therapie unterbrochen werden und Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin und/oder Rheumatologe/-in informiert werden. Eine Therapie mit Sulfasalazin oder Hydroxychloroquin kann unverändert fortgesetzt werden.

 

  •  Soll ich die Therapie mit Kortison unterbrechen?

Auch hier gilt die Devise, dass keine Therapie, welche Ihre Rheumaerkrankung betrifft, ohne Rücksprache mit Ihrem Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin unterbrochen werden sollte. Die selbständige Unterbrechung oder die starke Reduktion der Kortisondosis stellt einen Risikofaktor für die Aktivierung Ihrer Erkrankung und für Kortisonentzugssymptome dar. Unter bestimmten Bedingungen kann die Reduktion von Kortison problemlos, jedoch unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Folgen Sie der Empfehlung Ihres Rheumatologen/Ihrer Rheumatologin!

 

3) Kann ich, wie üblich, Schmerzmittel einnehmen?

 

Von mehreren Medien sind Informationen verbreitet worden, dass einige nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR, wie beispielsweise Ibuprofen) die Coronavirus-Infektion erleichtern würden. Die Europäische Arzneimittelagentur sagt, dass zurzeit keine schlüssigen Hinweise auf eine solche Wirkung bestehen. Aktuell werden die bestehenden Daten bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur ausgewertet und überwacht. Sollte bei Auftreten von Symptomen, wie Fieber oder Schmerzen, eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, können zurzeit alle zur Verfügung stehenden Medikamente berücksichtigt werden, einschließlich Paracetamol und NSARs. Jedes Arzneimittel kann dem Patienten Vor- und Nachteile bringen. Patient*Innen, welche seit längerem NSARs einnehmen (z.B. zur Behandlung von entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen), können ihre gegenwärtige Therapie weiterführen. Zurzeit gibt es noch keine konkreten Empfehlungen, diese Therapie zu unterbrechen.

 

4) Wenn ich Chloroquin oder Hydroxychloroquin einnehme –– kann ich davon ausgehen, dass ich vor einer COVID-19-Infektion geschützt bin?

 

Die Ergebnisse von Laborversuchen zeigen, dass einige Arzneimittel wie Chloroquin und Hydroxychloroquin, welche in der Behandlung von rheumatischen Krankheiten verwendet werden, eine hemmende Wirkung auf die Virus-Replikation haben könnten. Bei einigen Patient*Innen mit Coronavirus-Lungenentzündung wurden diese Medikamente daher angewendet, allerdings kann derzeit nicht gesagt werden, ob diese Medikamente tatsächlich eine positive Wirkung bei Covid-19 haben. Wenn Sie regelmäßig diese Arzneimittel zur Behandlung Ihrer rheumatischen Erkrankung einnehmen, dann sollten Sie diese Therapie fortsetzen, allerdings kann man sich auf keinen Fall vor der Infektion geschützt fühlen. Jeder Rheumapatient/jede Rheumapatientin muss, wie alle anderen Menschen, den Empfehlungen und Anordnungen der Behörden folgen und sich vor der Infektion bestmöglich schützen (Sicherheitsabstand zu anderen Menschen von 2 Metern, möglichst zu Hause bleiben). Auf den vor kurzem aufgetretenen Versorgungsengpass für Hydroxychloroquin haben wir als ÖGR reagiert und unverzüglich Verhandlungen mit den zuständigen Stellen aufgenommen. Es sind nun alle Bestrebungen darauf ausgerichtet, dass dieses Präparat vor allem denjenigen Patient*Innen vorbehalten sein soll, welche Hydroxychloroquin als Dauertherapie in den zugelassenen Indikationen (z.B. entzündliche rheumatische Erkrankungen) erhalten, um deren Therapie sicherzustellen. Bitte informieren Sie uns bei anhaltenden Problemen, dieses Medikament zu erhalten, damit wir weitere Schritte setzen können.

 

5) Wenn ich mit Tocilizumab behandelt werde, kann ich davon ausgehen, dass ich vor der COVID- 19-Infektion geschützt bin?

 

Es gelten hier dieselben Hinweise wie für Chloroquin und Hydroxychloroquin. Die Therapie mit Tocilizumab könnte bei einer Untergruppe von Patient*Innen mit Coronavirus-Lungenentzündung von Nutzen sein, um durch das eigene Immunsystem hervorgerufene Entzündungsreaktionen in den Lungen zu hemmen. Allerdings hat das Medikament keine direkte Wirkung gegen das Virus selbst. Wenn Sie mit diesem Medikament behandelt werden, sind Sie daher nicht vor einer COVID-19 Infektion geschützt und müssen den Empfehlungen und Anordnungen der Behörden gleich folgen, wie Menschen ohne diese Therapie. Patient*Innen, die mit Tocilizumab behandelt werden, können die Therapie weiterführen.

 

6) Kann ich mit einer immunsuppressiven Therapie, einem Biologikum oder einem JAK Inhibitor in Zeiten der COVID-19 Pandemie überhaupt beginnen?

 

Die Antwort auf diese Frage muss individuell geklärt werden. Sollte die Therapie zur Behandlung Ihrer Erkrankung notwendig sein, um Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren und/oder Schäden an Gelenken oder Organen zu reduzieren, wird Ihnen Ihr Rheumatologe/Ihre Rheumatologin trotz der aktuellen COVID-19 Pandemie die Behandlung mit einem immunsuppressiven Medikament unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen empfehlen. Die Auswahl der geeignetsten Substanz wird im Einvernehmen zwischen Arzt/Ärztin und Patient/Patientin getroffen.

 

7) Ist es medizinisch sinnvoll von der Arbeit fernzubleiben, wenn ich in Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten bin?

 

Ob es medizinisch sinnvoll ist, dass Rheumapatient*innen vom Arbeitsplatz fernbleiben, damit sie noch besser vor einer Ansteckung geschützt sind, hängt von der Art der rheumatischen Erkrankung und vor allem davon ab, welche immunsuppressive Therapie sie erhalten. Diese Frage sollten Sie mit Ihrem betreuenden Rheumatologen/Ihrer betreuenden Rheumatologin besprechen. Darüber hinaus wurde vom Gesetzgeber ein besonderer Schutz von bestimmten Risikogruppen (dazu gehören Personen mit chronischen Erkrankungen des Immunsystems bzw. unter laufender Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten) im Rahmen der aktuellen Covid 19 – Pandemie in Bezug auf deren berufliche Exposition angekündigt.

 


8) Wie muss ich mich unter bestehender immunsuppressiver Therapie verhalten, wenn ich Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden habe?

 

Verhalten Sie sich bitte so, wie bei jedem anderen grippalen Infekt. Bleiben Sie zu Hause, trinken Sie viel, pausieren Sie die Immunsuppressiva vorübergehend bis zur vollständigen Rückbildung der Symptome und informieren Sie telefonisch Ihren Arzt/Ärztin.

 

9) Wie muss ich mich verhalten, wenn ich an COVID-19 erkrankt bin?

 

Bitte halten Sie sich an die vom Gesundheitsministerium vorgeschriebenen Vorgaben und wenden Sie sich umgehend an die entsprechenden Behörden. Die immunsuppressive Therapie muss mit Ausnahme von Sulfasalazin und Hydroxychloroquin für die Dauer der Infektion pausiert werden.

 

10) Muss ich besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn ich an Rheuma erkrankt bin?

 

Es gelten die gleichen Empfehlungen wie für die gesunde Bevölkerung, beachten Sie diese jedoch besonders genau. Sie zielen darauf ab, die Gesundheit aller Menschen aufrecht zu erhalten:

 

  • Hände und Handgelenke mit Wasser und Seife mindestens 20 Sek. waschen
  • Nicht an Mund, Nase und Augen fassen
  • Niesen Sie in Ihre Armbeuge oder in ein Einwegtaschentuch
  • Tragen Sie jedenfalls einen Mundnasenschutz, wenn Sie krank sind. Seit 01.04.2020 ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Einkaufen und optimalerweise auch im öffentlichen Bereich obligat.
  • Halten Sie mindestens einen Meter Abstand von anderen Menschen.
  • Vermeiden Sie Umarmungen und Händeschütteln.
  • Vermeiden Sie Ansammlungen von Menschen und alle Gelegenheiten, bei denen sie mit vielen Menschen in Kontakt kommen, außer jenen, mit denen Sie zusammenwohnen
  • Vermeiden Sie unnötige Reisen und bleiben Sie zu Hause, so viel Sie können. Gehen Sie nur bei tatsächlichem Bedarf aus dem Haus (Arbeit, Einkaufen, Apotheke)
  • Befolgen Sie streng die vom Gesundheitsministerium erlassenen Hinweise.

Wenn Sie weitere Fragen haben, treten Sie in Kontakt mit Ihrem Vertrauensrheumatologen/Ihrer Vertrauensrheumatologin, ohne zum Krankenhaus zu fahren. Benutzen Sie das Telefon oder melden Sie sich per E-Mail.
Die Zusammenarbeit untereinander ist der Eckpfeiler, um dieser Krise gut zu entkommen.

Information für Patient*Innen mit primären oder sekundären Immundefekten

Die neuesten Empfehlungen für PatientInnen mit primären und sekundären Immundefekten im Zusammenhang mit der SARS-CoV 2 Pandemie können Sie jetzt hier nachlesen - PDF

 

Patienten die unter einem primären oder sekundären Immundefekt leiden werden zur Risikogruppe gezählt. Derzeit existieren keine ausreichenden Daten zum Krankheitsverlauf im Falle einer COVID-19 Infektion, es könnte bei diesen Patient*Innen jedoch zu einem prolongierten und fulminant verlaufenden Krankheitsgeschehen kommen.

 

Besonders wichtig ist daher die größtmögliche Minderung des Risikos einer Infektion!

 

Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen sind:

  •  Häufiges, gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife.
  • Berührung des eigenen Gesichts mit ungewaschenen Händen vermeiden.
  • Einhalten eines Mindestabstandes zu anderen Personen, 1-2 Meter.

 

Mögliche zusätzliche Maßnahmen sind:

  • Verzicht auf die Teilnahme an Veranstaltungen mit vielen (>5) Menschen.
  • Home-office-Arbeit falls möglich (in Absprache mit dem Arbeitgeber)
  • Notwendige Einkäufe falls möglich an Gesunde abgeben.
  • Verschieben von Routinebesuchen in medizinischen Ambulanzen und Ordinationen.
  • Einschränken der Reisetätigkeit.

 

Was ist bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 Virus zu beachten:

  • Sollte der Verdacht für eine Infektion mit SARS-CoV-2 Virus bestehen, sollen die von den Behörden empfohlenen Maßnahmen befolgt werden. (AGES,https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/).
  • Informieren Sie Ihre behandelnden Ärzte über Ihren Immundefekt!
  • Im Falle einer Infektion, nehmen Sie oder Ihre Ärzte Kontakt mit Ihrem behandelnden Arzt oder Zentrum für Immundefekte auf.

 

Für die Therapie mit Immunglobulin (Ig) (IVIG oder SCIg) gilt:

  • Führen Sie die Therapie weiter wie bisher.
  • Eine selbstständige Steigerung der Dosis ist nicht sinnvoll!

 

Weitere Informationen zu Immundefekten und COVID19 finden sie auf folgenden Seiten:

 

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html

 

https://esid.org/News-Events/Joint-statement-on-the-current-epidemics-of-new-Coronavirus

 

Es handelt sich bei der COVID-19-Pandemie um ein sehr dynamisches Geschehen. Anweisungen der Behörden können sich stündlich ändern und können über die hier getätigten Empfehlungen hinaus gehen oder diese ersetzen!

NEWS: The Patient Experience Survey of the Global Rheumatology Alliance has closed. Concluding summeries can be found on their website.

 

EULAR COVID-19 database and Global Rheumatology Alliance

Die COVID-19 Krise ist eine globale Pandemie.


Während vorbestehende Lungenerkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen mit einem ungünstigen Verlauf der Erkrankung assoziiert zu sein scheinen, ist bisher nicht bekannt, ob eine rheumatologische Vorerkrankung ein Risikofaktor für eine erhöhte Morbidität bzw. Mortalität ist. Tatsächlich werden im Moment Studien zur Behandlung schwerer Verläufe der COVID Pneumonie mit Medikamenten durchgeführt, welche normalerweise für die Behandlung von entzündlich rheumatischen Erkrankungen angewendet werden.

 

Daher ist es umso wichtiger, weltweit mehr Erfahrungen darüber zu sammeln, wie der Verlauf der SARS-CoV-2 bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist.

 

Ein US-amerikanisches Kernteam aus RheumatologInnen haben im März die Global Rheumatology Alliance (GRA) mit internationaler Datenbank gegründet. In Zusammenarbeit mit GRA haben Vertreter der EULAR ein Register für alle Mitgliedsländer der EULAR initiiert.

 

In den letzten Wochen haben wir die regulatorischen Details der Dateneingabe von österreichischen PatientInnen mit COVID-19 geklärt. Die ÖGR unterstützt beide Initiativen und hat ein data processing agreement mit der EULAR abgeschlossen.

 

Die Ethikkommission und die Datenschutzbehörde der Medizinische Universität Wien hat das Projekt begutachtet und mit einem positiven Votum (EK-Nr: 1381/2020) beschieden.

 

Projektplan - PDF

PatientInneninformation und Einwilligungserklärung (ICF) - PDF

 

Wir bitten Sie somit jeden Fall von COVID unter Ihren RheumapatientInnen an das EULAR Register (https://www.eular.org/eular_covid19_database.cfm) zu melden. Auf dieser Seite finden Sie auch weitere Informationen zu der EULAR Initiative, der Steering Group und regelmäßige Berichte. 

 

Schrittweise Anleitung zum Melden von PatientInnen:

  1. 1. Schreiben Sie an Ihre jeweils zuständige Ethikkommission eine kurze Stellungnahme, dass es ein bestehendes Votum zu der EULAR COVID19 Datenbank der MUW gibt und Ihr Krankenhaus daran teilnehmen möchte. Sehen Sie hier (Link: http://www.ethikkommissionen.at/) eine Liste österreichischer Ethikkommissionen um die passende für sie zu finden. In den meisten Fällen wird sich Ihre zuständige Ethikkommission dem Votum anschließen. Bei weiteren Rückfragen seitens Ihrer Ethikkommission können Sie gerne mit Dr. Paul Studenic (email) oder PD Dr. Helga Lechner-Radner Kontakt aufnehmen.
  2. 2. Nutzen Sie https://www.eular.org/eular_covid19_database.cfm um einen Überblick über die gewünschten Informationen der EULAR COVID-19 Database zu erhalten. Auf dieser Seite können Sie in weiterer Folge die Informationen zu Ihren PatientInnen in der Datenbank eingeben (ca 10 Minuten). Sie sollten allerdings vor Eingabe der Daten das oben angeführte ICF von PatientInnen unterzeichnen lassen und dieses aufbewahren.

Der jeweilige Reporter kann seine eigenen eingegebenen Daten bei der EULAR abfragen lassen, das jeweilige Institut, die Daten des Instituts und die ÖGR auf Österreichebene. Es werden keine Daten verlangt, welche Ihren Patienten / Ihre Patientin identifizieren würde!

 

Sollten Sie als Rheumatologe*in oder HCP direkt an der Betreuung von Patient*innen mit RMDs beteiligt sein, bitten wir um 10 min Ihrer Zeit um uns in Zukunft besser auf etwaige weitere Covid-19 Wellen vorbereiten zu können.

 

Den Link zur Umfrage finden Sie hier.

 

Diese Seite wird regelmäßig upgedated. Neueste Infos erfahren Sie auch über https://rheum-covid.org/about/ und unsere Facebook, Twitter und Instagram Accounts.

 

Die ÖGR unterstützt die EULAR COVID-19 Datenbank und die „COVID-19 Global Rheumatology Alliance“ Initiative zur weltweiten Sammlung von Daten von RheumapatientInnen mit SARS-CoV-2 Infektion.

 

Machen wir gemeinsam einen Unterschied!

Webinare zum Thema "Der Rheumapatient und Covid-19" mit Univ. Prof. Dr. Stefan Winkler

ACHTUNG!

 

Verpassen Sie nicht den nächsten Teil der Fortbildungsserie "„Der Rheumapatient und COVID-19 … Immunsuppression....was wissen wir? – Update“

 

Referent: Univ.-Prof. Dr. Stefan Winkler
Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie | Medizinische Universität Wien

 

Datum: Montag, 19.10.2020 von 18:00 bis 19:30 Uhr

 

Eine Vorabanmeldung ist erforderlich und kann hier durchgeführt werden.

 

 

Aus aktuellem Anlass stehen Ihnen jetzt alle Forbildungsveranstaltungen der Webinar-Serie "Der Rheumapatient und Covid-19" als Video-Stream zur Verfügung!

 

Jetzt hier "nach"sehen!

 

Referent: Univ.-Prof. Dr. Stefan Winkler

Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie

Medizinische Universität Wien